1.Kapitel

(Februar 1997)
Endlich da. Besonders weit war es ja nicht, aus dem Herzen des Ruhrgebietes bis ins quirlige Köln, aber Shannon war im Augenblick alles andere als geduldig. Morgen war schließlich ihr großer Tag! Pünktlich zu ihrem Geburtstag war vor einigen Tagen ein Schreiben angekommen, das sie überhaupt nicht erwartet hatte: eine Einladung zu einem Meet & Greet mit den Backstreet Boys und dem danach stattfindendem Konzert!
Ganz klar, dass die Organisation das irgendwie gedreht hatte, denn das im Brief erwähnte Preisausschreiben hatte nie stattgefunden. Also hatte Shannon es ihrer Mitgliedschaft in der 'Organization for Coverage and Regulation of Supernatural Incidents', oder kurz OCRSI, zu verdanken, zwei Tage im selben Hotel in Köln zu verbringen, in dem auch die Backstreet Boys wohnten. Volle zwei Tage konnte sie die Arbeit vergessen und sich ihrer neuen Leidenschaft, für die im Moment erfolgreichste Popgruppe in Deutschland, hingeben.
Die Limousine hielt vor dem Haupteingang des Hotels und der Chauffeur half Shannon aus dem Wagen. Sofort kümmerte sich der verdatterte Page um ihre Reisetasche, ohne allerdings daran zu denken, den Mund wieder zu schließen. Shannon lachte in sich hinein. Allzu oft schien vor diesem Hotel ein solches Auto wohl nicht zu halten. Sie winkte ihrem Fahrer, der ebenfalls grinste, kurz zu. In zwei Tagen würde er sie hier wieder abholen. Zwei Tage, die sie fest vorhatte zu genießen.
Kurze Zeit später, nach den Formalitäten und der Inspektion des Zimmers, war Shannon auf dem Weg in die Bar, um ihr Glück mit einer Coke zu begießen.

Sie war im Gang vor ihrer Zimmertür, als das Gefühl sie plötzlich wie eine Schockwelle überkam. Akela, ihr Geistführer, den nur sie wahrnehmen konnte, jaulte leise auf.
Shannon stützte sich schnell an der Wand ab, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Entsetzt sahen die Beiden einander an. Irgendjemand im Hotel experimentierte mit Magie. Mit schwarzer Magie.
"Tja, Bruder, das war mein freier Tag." beschwerte sich Shannon laut.
Tut mir leid für dich, Kätzchen. antwortete der Wolf telepatisch.
Shannon zuckte hilflos mit den Schultern und lief los, in Richtung eines immer lauter werdenden Stimmengewirrs, Akela ihr auf den Fersen.
Sie bogen um eine Ecke und Shannon bremste abrupt, als sie einige der Leute erkannte, die auf dem Flur standen und aufeinander einredeten.
Keine Frage, das waren die Backstreet Boys. Zumindest vier von fünf. Und irgend etwas stimmte hier ganz und gar nicht, denn der jüngste, Nick Carter, stand mit weißem Gesicht an die Wand gelehnt und war allem Anschein nach nicht ganz ansprechbar, während AJ McLean einem Mann, der wie ein Bodyguard aussah (ein Schrank, ihr wisst schon), den Zugang zu einem Zimmer versperrte. Brian Littrell und Howie Dorough redeten wortreich und lautstark auf zwei weitere Bodyguards ein.
Unschlüssig blieb Shannon stehen, als einer der beiden Bodyguards sie auch schon entdeckte und auf sie zusteuerte.
"Verschwinde, es gibt hier nichts zu sehen!" fauchte er sie an.
Aus Akelas Kehle stieg ein drohendes Knurren hoch, was aber wenig Effekt zeigte, da der Typ den Wolf ja weder sehen noch hören konnte. Akela ging kurzerhand zum Angriff über und sprang den Mann um, der anschließend keine Ahnung hatte, wieso er auf dem Boden gelandet war.
Shannon entschloss sich zu handeln, bevor er wieder auf die Füße kam. Sie musste unbedingt in den Raum hinter AJ, denn von dort kam eine intensive negative Strahlung. Kurzerhand ergriff sie Brian am Arm und zog ihn ein Stück zur Seite. Er war wohl derjenige, der ihr am ehesten zuhören würde...
"Ich kann euch helfen. Ich kenne mich mit Magie aus." flüsterte sie ihm ins Ohr.
Im nächsten Moment packte der zweite Bodyguard sie und zerrte sie ein Stück zurück.
"Ansehen ja, anfassen nein!" pflaumte er sie an, mit dem Daumen auf Brian deutend.
"Und ich dachte es gibt hier nichts zu sehen." bemerkte Shannon mit vor Ironie triefender Stimme.
Mit einem abfälligen Laut drehte der Mann sie in die Richtung, aus der sie gekommen war, und schubste sie so heftig, dass sie sich erst nach einigen schnellen Schritten wieder fangen konnte.
Akela hatte nur darauf gewartet, dass der Typ sie losließ. Ein gut gezielter Sprung und der Bodyguard landete unsanft zu Brians Füßen, und riss dabei seinen Kollegen mit um, der sich gerade erst wieder aufgerappelt hatte. Brians erstaunter Blick wanderte von den Beiden erst zu Howie, der ihn irritiert erwiderte, und dann weiter zu Shannon, die inzwischen lässig an die Wand gelehnt dastand, die Hände in den Hosentaschen vergraben.
Gut gemacht! sandte sie dem Wolf.
Kleinigkeit! kam es äußerst selbstzufrieden zurück. Da niemand außer Shannon Akela sah, schien es, als wären die Männer ganz von allein umgefallen.
Brian rang sich zu einer Entscheidung durch. Er schlug einen Bogen um das Extremitätengewirr vor ihm, griff nach Shannons Arm und zog sie mit sich. Howie folgte ihnen, noch immer perplex.
Sie erreichten Bodyguard Nummer drei, den Brian ohne Umstände beiseite schob. AJ öffnete, mit einem skeptischen Blick auf Shannon, die Tür für sie.
Brian schob Shannon hinein in einen gemütlichen Wohnraum, der anscheinend zu einer Suite gehörte.
Howie, der einen noch immer bleichen Nick hinter sich her zog und mit ihm in Richtung Sofa verschwand, folgte ihnen ebenso wie AJ, der den Bodyguards einen letzten finsteren Blick zuwarf, ehe er ihnen die Tür vor der Nase zumachte und sich von innen dagegen lehnte.
"Bist du verrückt geworden? Haben wir nicht genug Schwierigkeiten, musst du jetzt auch noch Fans da mit reinziehen?" fuhr er Brian an.
"Sie sagte, sie könne uns helfen." fauchte Brian zurück.
"Helfen? Vielleicht war sie es ja auch selber!" giftete AJ. Er taxierte das Mädchen, das vor ihm stand. Er schätzte sie auf etwa sechzehn Jahre. Sie war nicht sehr groß, wahrscheinlich noch etwas kleiner als Howie, der der Kleinste unter ihnen war, und schlank. Sie trug schlichte Jeans, T-Shirt und Turnschuhe. Das rotblonde Haar war kurzgeschnitten. Alles in allem war sie eigentlich ziemlich nichtssagend und unscheinbar.
Bis auf ihre Augen. Ihre Augen waren groß und dunkelgrün, und sie blickten AJ unverwandt an...
Ihn überkam ein flaues Gefühl. Es schien ihm fast, als könnten sie in ihn hineinsehen. Er versuchte den Blick abzuwenden, aber es gelang ihm nicht mehr.
Plötzlich wünschte er sich, seine allgegenwärtige Sonnenbrille vorhin nicht abgenommen zu haben, denn es war ihm, als würden diese alt wirkenden Augen etwas in ihm maßnehmen.
Einen Moment später war das Gefühl verflogen. AJ blinzelte, als wäre er aus einer Trance erwacht. Shannon sah ihn noch immer an, aber jetzt waren ihre Augen sanft. Sie streckte ihm ihre Hand entgegen und lächelte.
"Hi, ich bin Shannon." AJ konnte nichts weiter tun, als verdattert ihre Hand zu schütteln.
Brian hatte entweder nicht mitbekommen was gerade passiert war, oder er ließ sich nichts anmerken.
"Wenn ich das Ganze vielleicht abkürzen darf, das vor dir ist AJ, das auf dem Sofa sind Howie und Nick und ich bin Brian." stellte er sie vor.
"Nett euch kennen zu lernen." meinte Shannon.
AJ fing sich wieder, ging mit großen Schritten zum Tisch, wo seine Sonnenbrille lag, und setzte sie sich umgehend auf.
"Nimm Platz." bat Brian Shannon.
Sie ging langsam zum Sofa, um Nick nicht zu erschrecken, der allem Anschein nach unter Schock stand. Vor ihm blieb sie stehen.
Howie hatte seinem jungen Freund schützend einen Arm um die Schultern gelegt und sah jetzt fragend auf. Shannon lächelte ihm beruhigend zu, kniete sich dann vor Nick auf den Boden und nahm seine Hände in ihre. Zögernd richtete er den merkwürdig starren Blick auf sie.
"Hi. Ich bin hier um euch zu helfen." sagte Shannon leise. Sie drückte ermutigend Nicks kalte Finger und nahm dann durch die Augen Kontakt mit ihm auf, wie vorhin bei AJ. Aber diesmal ging sie viel behutsamer vor.
Allmählich kam wieder Leben in Nicks himmelblaue Augen. Verunsichert sah er sie an.
"Ist schon gut." flüsterte Shannon beschwichtigend.
Howie und Brian wechselten einen Blick. Scheinbar konnte diese sonderbare junge Frau wirklich etwas für sie tun. Zumindest für Nick, der den vorher angespannten Mund jetzt zu einem schwachen Lächeln verzog.
"So ist es viel besser." Shannon ließ Nicks Hände los und sah dann jeden der anderen drei Jungs kurz scharf an.
"Und jetzt erzählt mir, was passiert ist." forderte sie sie auf.
Brian ließ sich stöhnend in einen Sessel fallen und rieb sich mit beiden Händen über die Stirn, als hätte er Kopfschmerzen.
"Wenn wir das nur wüssten." seufzte er.
AJ räusperte sich.
"Wir haben besprochen, was wir heute tun wollen." erklärte er, leicht verärgert darüber, dass dieses Mädchen einfach hier das Kommando übernahm. "Wir fünf meine ich, wir hier und Kevin. Wir haben heute Abend frei und Howie meinte, wir könnten in einen Club gehen. Aber Kev war dagegen, weil die Clubs hier ja ab achtzehn sind, und Nicky ist noch keine achtzehn. Und Brian meinte dann, wir sollten lieber ..."
"Entschuldige dass ich dich unterbreche, Bone, aber so sitzen wir morgen noch hier. Kev ging rüber ins Schlafzimmer, um etwas zu holen", Howie zeigte zögernd auf eine Tür, die vom Wohnraum abging, "und Nick ging hinterher, um ihn was zu fragen. Und dann schrie Nick plötzlich, wir stürzten zu ihm und..." Er fuhr sich nervös durch sein krauses Haar.
"Was immer passiert war, danach seid ihr auf den Gang geflüchtet und der Schrei hatte eure Bodyguards alarmiert." schlussfolgerte Shannon.
"So in etwa." bestätigte ihr Brian.
"Habt ihr denen irgend etwas erzählt?"
Brian schüttelte den Kopf. "Wie hätten wir...", er gestikulierte wild, "DAS erklären sollen?" Jetzt war es an ihm, fahrig mit den Fingern durch seine blonden Locken zu gehen.
"Dann werde ich mir DAS jetzt mal ansehen." Shannon stand auf und schritt zur bezeichneten Tür, während die vier Jungs ihr besorgt nachsahen.
Der Zauber, der hier gewirkt hatte, war äußerst stark, das fühlte sie.
Das war keiner von den Jungs da drüben, oder? fragte Akela, der die ganze Zeit an ihrer Seite geblieben war.
Nein. Unmöglich. Der Strom der Energie kam von unten, vermutlich aus dem Keller des Hotels. antwortete Shannon. Komm bitte nicht mit rein. Was immer da drin auch passiert ist, ich spüre keine Gefahr mehr. Aber da ist Angst. Große Angst. Sie drang vorhin sogar durch die geschlossene Tür.
Sie öffnete die Tür sehr behutsam, weil noch immer negative Strahlung zu spüren war. Und dann fand sie sich Auge in Auge mit einem großen Raubvogel wieder, der direkt vor ihr auf dem Fußteil eines Bettes saß.
Das Tier schrie panisch auf und flatterte wild mit den Flügeln. Shannon schloss rasch die Tür hinter sich und hob beschwichtigend die Hände.
"Ist schon gut, ich werde dir nichts tun. Ich bin hier um zu helfen." Sie ließ sich mit erhobenen Händen an der Tür entlang auf dem Boden nieder.
Es kommt einer von den Jungs zur Tür. warnte Akela und sandte zugleich ein Bild von Brian in ihre Gedanken.
"Shannon? Ist dir was passiert?" Er klang so besorgt wie er aussah.
"Es ist alles okay, Brian. Wartet einfach auf mich." antwortete Shannon. Dabei ließ sie den Vogel keine Sekunde aus den Augen, der unruhig mit den Flügeln schlug und kleine Sprünge machte. Wenn er losflog, würde er sich möglicherweise vor lauter Panik die Schwingen an den Wänden brechen...
An diese Möglichkeit mochte Shannon nicht einmal denken. Sie versuchte ihrer Stimme einen ruhigen Tonfall zu verleihen.
"Ich weiß, dass du große Angst hast." flüsterte sie.
Der Vogel hielt inne und legte den Kopf schief.
"Und du verstehst auch jedes Wort, oder?" fragte Shannon.
Die goldenen Augen fixierten sie, als der Vogel wieder einen Schrei ausstieß, lang und klagend diesmal.
"Ich schwöre, dass ich dir nicht wehtun werde. Du brauchst vor mir keine Angst zu haben, glaub mir. Ich werde euch helfen. Ich finde den, der das gemacht hat, und ziehe ihn zur Rechenschaft. Wir bringen das wieder in Ordnung. Vertrau mir." beschwor Shannon ihn. Der Vogel saß still und hielt den Blickkontakt aufrecht.
Shannon stand langsam auf und ging auf ihn zu.
"Wir schaffen das schon, glaub mir." murmelte sie. "Ich kenne Mittel und Wege." Sie hob eine Hand und strich sacht über sein Brustgefieder. Der Vogel ließ es zu. Sein Blick war noch immer mit ihrem verschränkt.
Ein sanftes Lächeln stahl sich um Shannons Lippen.
"Alles kommt wieder in Ordnung, Kevin. Das verspreche ich dir."


2.Kapitel

"Was macht sie die ganze Zeit da drin?" nörgelte AJ, "Wofür braucht sie so lange?"
"Ich schätze, sie macht das, was wir uns nicht trauen. Sie stellt fest was passiert ist." antwortete Howie ruhiger als er sich fühlte. Brian lief schon die ganze Zeit im Zimmer auf und ab und machte alle noch nervöser.
"Ich weiß, was passiert ist. Ich hab es mit eigenen Augen gesehen." stellte Nick leise fest. Er hatte sich in die Ecke des Sofas verdrückt und schützend die Arme um die angezogen Beine geschlungen.
"Und ihr wisst es auch und wollt es nur nicht wahrhaben."
"Nein, das kann nicht sein. Ein Mensch verwandelt sich nicht einfach vor deinen Augen in ein Tier. Was wir sahen war vielleicht eine Halluzination oder Massenhysterie. Oh, jetzt hab ich es! Die Hamburger heute Mittag waren schlecht! Ich hatte gleich so ein komisches Gefühl." AJ schlug sich mit der Faust in die flache Hand und lachte leicht hysterisch.
"Ich enttäusche dich nur ungern, AJ, aber da ich heute kein Fastfood hatte, lässt deine Erklärung zu wünschen übrig."
Alle fuhren herum. In der Tür zum Schlafraum stand Shannon, mit dem Raubvogel auf der Hand.
"Es gibt da einen schönen Spruch." fuhr sie fort, während sie näher trat. "'Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt.' Nehmt doch bitte Platz, wir haben viel zu besprechen."
Sie setzte den Vogel vorsichtig auf dem Tisch ab. Er fühlte sich da sichtlich unwohl und sträubte das Gefieder.
Nick gab zögernd seine Defensivhaltung auf und streckte behutsam eine Hand nach dem Tier aus. Es ließ die Berührung zu, drehte aber unruhig den Kopf, um die Anwesenden zu fixieren, die sich auf Sofa und Sessel verteilten.
"Okay, zur Situation. Erstens: Ich bin Mitglied der 'Organization for Coverage and Regulation of Supernatural Incidents', einer Organisation die übersinnliche Vorfälle untersucht, und ich bin eine Hexe." klärte Shannon sachlich auf. "Zweitens: Irgendjemand hat in diesem Hotel Magie zu niederen Zwecken angewandt, also schwarze Magie betrieben. Und drittens: Ich werde etwas Hilfe brauchen, um das Problem zu lösen."
"Kannst du es denn überhaupt lösen?" fragte AJ skeptisch.
"Ich bin seit vier Jahren eine voll ausgebildete Hexe, ein geübtes Medium und geprüfte Dämonenjägerin. Seit drei Jahren leite ich einen eigenen Zirkel und seit letzter Woche bin ich sogar für amerikanische Verhältnisse volljährig. Lass dich von meinem Kindergesicht nicht täuschen, AJ. Ich bin zwei Jahre älter als du." erklärte Shannon ernst.
Verblüffte Blicke wurden gewechselt.
"Aber wir vertrödeln Zeit. Wollen wir das Problem angehen oder wollt ihr lieber sehen, ob die deutsche Polizei irgendwas in der Sache tun kann?"
Aus Akelas Richtung kam ein verächtlicher Laut, als Shannon die Polizei erwähnte.
Der Kopf des Greifvogels fuhr bei dem Geräusch herum.
Shan? Er kann mich hören! Versehentlich projizierte Akela seinen Schreck in seinen Schützling und Shannon hatte einen Moment Mühe dagegen anzugehen.
Wir klären das später, Bruder! versuchte sie den Wolf zu beruhigen.
"Shannon?" Brian sah sie fragend an.
"Entschuldige, ich war kurz in Gedanken woanders. Was wolltest du wissen?"
"Wir wollten wissen, wie wir jetzt vorgehen sollen."
"Also, zuerst brauche ich Verstärkung. Hat einer von euch ein Handy?" Sekundenbruchteile später lagen vier Handys auf dem Tisch.
"Eins wird echt reichen, danke Jungs." Shannon konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.

"Hi, Gabriel."
"Wenn das nicht meine Lieblingshexe ist! Wo steckst du?"
"In Schwierigkeiten, wie immer."
Am anderen Ende der Leitung ertönte ein Lachen.
"Lustig finde ich das ja nun nicht gerade, Gabe. Ich habe hier einen Fall von schwarzer Magie. Verwandlungszauber dritter oder vierter Stufe."
"Du hast WAS? Wo bist du?"
"Hier in Köln. Das Hotel in der Nähe des Messegeländes."
"Bleib wo du bist. Ich bin noch im Zoo, aber ich kann in einer Stunde bei dir sein."
"Jetzt sag nicht, ich versaue euch den Familienausflug!"
"Na, ganz so schlimm ist es nicht. Meine Töchter werden sowieso schnell fußkrank. Sandra möchte dich sprechen."
"Dann gib sie mir. Du kannst es inzwischen schonend deiner Frau beibringen."
"Shan?"
"Hi Süße! Lange nicht gesehen!"
"Sag mal, stimmt es, dass du die Backies triffst?"
"Ja. Und ich erzähle euch Mädels alles haarklein und bringe euch Autogramme mit, wenn ihr es mir verzeiht, dass ich euch heute euren Paps entführe."
"Schon verziehen! Ich möchte ein Autogramm von Brian!"
"Und ich von Nick!" tönte das jüngere Mädchen aus dem Hintergrund.
"Abgemacht. Und jetzt gib mir bitte wieder euren Vater."
"Shan? Susan lässt dich schön grüßen und sie hat versprochen, dir nicht den Kopf abzureißen. Stattdessen hat sie dich zu Sandras zwölften Geburtstag eingeladen. Die Mädchen wollen ein Gläserrücken veranstalten. Rate mal, wer als Medium geplant ist."
"Oh Gott! Na gut, Strafe muss sein. Sag ihr, ich nehme die Herausforderung an."
"Willst du die Organisation eigentlich informieren?"
"Nein, das mach ich nachträglich. Bis wir eine offizielle Genehmigung zum Einsatz haben, ist es zu spät."
"Okay, du kriegst den Ärger. Wir sehen uns in etwa einer Stunde."
"Bis gleich."

"Was ist ein Verwandlungszauber der Stufe vier?" wollte Brian wissen, direkt nachdem Shannon das Gespräch beendet hatte. Sie saßen alle noch um den Tisch herum, so dass die Jungs jedes ihrer Worte mitgehört hatten.
"Ein Verwandlungszauber ist ein verbotener Zauber." erklärte Shannon. "Da eine Hexe oder ein Hexenmeister nicht genügend Macht hat, um einen Menschen in ein Tier zu verwandeln, beschwört sie oder er einen Dämon herauf, der diese Aufgabe übernimmt. Die Stufe gibt die Stärke des Dämons an, der die Verwandlung ausführt. Eins ist dabei die niedrigste Stufe auf einer nach oben offenen Skala."
"Und was beschwört ihr in eurer Organisation, wenn ihr Hilfe beim Hexen braucht?" fragte AJ misstrauisch.
"Außer den Dämonen gibt es noch Geistwesen und Götter. Keins dieser Wesen ist schwarz oder weiß, böse oder gut. Deshalb hat jeder sozusagen einen Stammhelfer, auf den er sich verlassen kann. Aber es ist nicht so, dass das Beschwören von Dämonen verboten ist, wenn du das meinst. Verboten ist die Nutzung bestimmter Zauber, die zum Ziel haben einem Menschen zu schaden. Da es hier um einen Verwandlungszauber geht, ist es sicher dass ein Dämon seine Finger im Spiel hat. Geistwesen können keine Verwandlungen durchführen und für die Götter ist ein solcher Zauber unter ihrer Würde. Die stehen mehr auf Seuchen und Sintfluten."
"Und wen beschwörst du?" hakte AJ argwöhnisch nach.
"Durch meine Tätigkeit als Medium spreche ich mit vielen verschiedenen Geistwesen und als vielbeschäftigte Hexe beschwöre ich, was gerade nötig scheint."
"Und von welcher dieser Arten ist nun dein persönlicher Helfer?" wiederholte AJ
"AJ, egal wie viele Fragen du mir stellst, wenn du nicht deinem Instinkt vertraust, werden wir weiter auf der Stelle treten. Ich brauche das Vertrauen von euch allen, wenn ihr wollt dass ich euch helfe." kritisierte Shannon den Argwohn, den er ihr entgegenbrachte.
Bei diesen Worten lief AJ rot an und verzog grimmig den Mund.
Als du ihn GELESEN hast, hast du tiefer geblickt als er es nach so kurzer Bekanntschaft ertragen konnte. meldete sich Akela, der hinter ihrem Sessel hervorlugte. Unterbewusst hat er jetzt Angst, dass du ihn aufgrund deines Wissens verletzen könntest. Er kennt dich nicht genug, um zu wissen, dass du so etwas nie tun würdest. Wenn du willst dass er dir vertraut, Kätzchen, musst du ihm Gelegenheit geben in DICH hineinzusehen. Erzähl ihnen ruhig auch von mir. Dann hört dieser merkwürdige Mensch-Vogel vielleicht auf, mich so anzustarren.
Der 'Mensch-Vogel', der noch immer auf dem Tisch hockte, sah tatsächlich die ganze Zeit zum Wolf rüber. Kevin musste wohl entweder medial veranlagt sein, oder irgendwie auf einer Wellenlänge mit Akela liegen.
Shannon schob diesen Gedanken in den Hintergrund. Es gab im Moment wichtigere Probleme zu lösen, also wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder AJ zu, der sie noch immer erbost durch die dunklen Gläser seiner Brille ansah. Ihr Bruder hatte recht. Irgendwie musste sie sich sein Vertrauen verdienen. Sie sah kurz in die Runde, holte tief Luft und fing an zu erzählen.
"Meine Eltern interessierten sich schon immer für Rieten und Gebräuche verschiedener Kulturen, und so landete ich mit elf Jahren auf einem indianischen Fest. Dort lernte ich den Medizinmann Daniel WalkingCloud kennen, der sofort meine Fähigkeiten erkannte. Wir sprachen an dem Abend lange miteinander und schließlich führte er mit mir ein Ritual durch, das mir helfen sollte meinen weiteren Weg zu beschreiten. Ich erhielt einen Geistführer, einen jungen weißen Wolf. Seither ist er ständig bei mir, eine Stimme in meinen Gedanken und ein weißer Schatten an meinen Fersen. Und er ist mein Helfer." beantwortete Shannon AJ's frühere Frage.
Der schien jetzt irgendwie enttäuscht. Wahrscheinlich hatte er erwartet, dass sie mit einem Dämon paktierte.
"Was meinst du mit: er ist ständig bei dir, an deinen Fersen? Hast du ihn dann heute zu Hause gelassen?"
"Nein, Nick. Er liegt hier, hinter dem Sessel. Sehen kann ihn nur, wer mediale Fähigkeiten hat." Shannon hielt inne. "Aber wenn ihr es möchtet und er einverstanden ist, kann ich ihm vielleicht helfen sich kurz zu projizieren. Wir haben so was noch nie gemacht. Ich weiß also nicht, ob es wirklich klappt."
Sie erkannte an den Blicken die jetzt gewechselt wurden, dass sie Gefahr lief für übergeschnappt gehalten zu werden. Das war keine Premiere für sie.
Plötzlich gab der Greifvogel einen kurzen, durchdringenden Schrei von sich, der alle zusammenzucken ließ. Fast schien es, als wollte er die Jungs für ihre Ungläubigkeit zurechtweisen.
Brian erholte sich als erster von dem Schreck. "Ich denke, wir sollten noch mal auf das Hauptthema zurückkommen."
"Okay, also, ich versuche das Ganze jetzt mal zusammenzufassen." Nick kratzte sich am Kopf. "Da hat jemand hier schwarze Magie benutzt, einen Dämon beschworen und unseren Kevin in einen großen braunen Habicht verwandelt."
"Steinadler." warf Shannon leise ein.
"Was?" Nick fuhr aus seiner Konzentration hoch.
"Nicht Habicht, sondern Steinadler. Aquila chrysaetos. Dunkelbraunes Gefieder, bis zwei Meter dreißig Flügelspannweite, mächtige Fänge, eine der stärksten Arten der Adlerfamilie."
Die Jungs starrten sie verblüfft an.
Shannon zog eine Grimasse. "Tut mir leid, manchmal geht es einfach mit mir durch. Ich studiere Biologie, Schwerpunkt Zoologie. Da lernt man so was."
"Okay, dann eben Steinadler." Nick zuckte mit den Schultern. "Aber warum? Was hat der Typ davon, so was zu machen? Und warum sucht er sich einen von uns als Ziel aus?"
"Ich befürchte, dass ihr einfach in einen alten Streit hineingezogen werdet. Es gibt einige Gruppierungen, die Ziele verfolgen, die die Organisation nicht tolerieren kann. Die OCRSI operiert unabhängig und international. Sie ist beinahe eine Geheimorganisation. Wenn sie in negative Schlagzeilen gerät, würde sie bekannt und irgendwelchen Behörden untergeordnet oder sogar aufgelöst werden."
Brian stieß einen leisen Pfiff aus. "Und was könnte besser zu einem Eklat führen, als das Verschwinden einer berühmten Persönlichkeit, bei dem der Name eurer Gesellschaft hineingezogen wird."
"Genau. Und sie würde garantiert hineingezogen. Eine Meldung über übernatürliche Ereignisse bei einer staatlichen Stelle, wie zum Beispiel der Polizei, würde umgehend von unseren Informanten an die Hauptleitstelle der OCRSI weitergegeben. Und dort reagiert man, wie nach einem Stich in ein Wespennest. Ihr seid hier in Deutschland so erfolgreich, dass eine solche Sache nicht unter den Teppich gekehrt werden kann."
AJ nahm seine Sonnenbrille ab und rieb sich die braunen Augen. "Ich kann die Schlagzeile schon vor mir sehen: Backstreet Boy verschwindet auf Deutschlandtour spurlos aus dem Hotel. Geheimorganisation unter Verdacht." Er warf die Brille auf den Tisch. "Ist das der Grund warum du uns hilfst? Willst du verhindern, dass ihr Probleme bekommt?"
"Nein." stellte Shannon klipp und klar fest.
"Nein? Welchen Grund könntest du denn sonst haben?"
"Zum Einen habe ich es nicht so gern, wenn unschuldige Menschen wie euer Freund gequält werden. Das ist auch der Grund, weshalb ich überhaupt in der OCRSI bin. Und zum Anderen bin ich seit Oktober 1996 zufällig ein Fan dieser neuen erfolgreichen Popgruppe aus dem sonnigen Orlando. Kennst du die vielleicht?"
"Du willst mich wohl absichtlich auf die Palme bringen, was?"
"Tut mir leid, aber du schreist förmlich danach. Wären wir hier im Kindergarten, würde ich mich kurz mit dir prügeln, um mich dann mit dir anzufreunden und zur Tagesordnung überzugehen."
"Bevor ihr euch hier wirklich schlagt, du bist also gar nicht zufällig hier im Hotel?" unterbrach Brian.
"Das ist eine gute Frage. Ich bin wegen des Meet & Greet morgen hier, aber auf Betreiben der OCRSI."
"Haben sie dich absichtlich hergeschickt, weil sie etwas geahnt haben?"
"Dann hätten sie mich nicht allein geschickt. Und wenn unsere Hellseher etwas gesehen hätten, wären rechtzeitig Leute hier gewesen um zu verhindern, dass es überhaupt geschieht. Nein, mein Aufenthalt hier ist einfach ein aufwändiges Geburtstagsgeschenk. Außerdem ist Gabriel das einzige Außenteammitglied das momentan in Köln ist. Kurzfristig ist keine andere Hilfe zu bekommen." Shannon zuckte mit den Schultern.
"Dann sind wir also auf uns allein gestellt." stellte Howie besorgt fest.
"Wir sind keine Anfänger, Gabe und ich. Wir haben schon öfters als Team Aufträge erledigt." beruhigte Shannon ihn.
"Was für Aufträge?" wollte Nick wissen.
"Hauptsächlich Dämonenvernichtung. Du kennst bestimmt die Ghostbusters-Filme? Das doppelt so schleimig und zehnmal so gefährlich. Ach... und ohne Laser und Geistercontainer."
"Was für ein Scheißjob!" Nick schüttelte angewidert den Kopf.
"Das kannst du laut sagen." grinste Shannon.
"Wie ist die Bezahlung?" erkundigte sich AJ.
"Sehr gut, sonst würde keiner diesen Job machen. Willst du einsteigen?"
"Um nichts in der Welt. Das Chaos heute reicht vollkommen." meinte AJ trocken.
"Ich sollte jetzt in mein Zimmer gehen und meine Ausrüstung zusammensuchen. Gabe müsste bald kommen." Shannon stand auf.
"Du hast eine Ausrüstung dabei?" fragte Brian erstaunt.
"Eine gute Hexe verlässt ihr Haus nie ohne bestimmte Hilfsmittel. Ich schlage vor, dass ihr schon mal bequeme und warme Klamotten anzieht, in denen ihr euch gut bewegen könnt. Wenn Gabe hier ist, gehen wir."
Howie und Nick wandten sich zur Tür.
"Was ist mit..." Brian deutete hilflos auf den Adler.
"Kevin kommt mit. Darum kümmere ich mich jetzt als erstes."
Shannon ging ins angrenzende Schlafzimmer. Da, auf dem Bett, lag eine schwere Lederjacke, die den Anforderungen wohl gerecht werden würde. Sie nahm sie und kehrte in den Wohnraum zurück.
Die Jungs waren inzwischen weg. Shannon breitete die Jacke auf dem Tisch aus, das Innenfutter nach oben. Dann sah sie den Adler an, der ihren Blick aus goldenen Augen erwiderte.
"Es wird nicht angenehm für dich sein. Aber es ist im Moment die einzige Möglichkeit, dich ungesehen aus dem Hotel herauszubekommen."
Der Adler gab ein Geräusch von sich, das sie als Zustimmung deutete, und flatterte auf die Jacke. Shannon legte behutsam das Leder um ihn zusammen, bis nur noch sein Kopf zu sehen war, und nahm ihn vorsichtig hoch.
In der Zwischenzeit kam AJ aus dem kleinen Bad, wo er sich eine bequemere Jeans und ein Sweatshirt angezogen hatte. Er teilte sich scheinbar dieses Doppelzimmer mit Kevin.
"Meinetwegen können wir dann." meinte er. Er nahm sich seine Jacke und wollte hinter ihnen die Zimmertür abschließen, als Shannon ihn aufhielt.
"Es mag blöd klingen, aber was hatte Kevin an als die Verwandlung einsetzte?"
AJ runzelte die Stirn.
"Nur eine Jeans. Oh Mann!" Er schlug sich mit der Hand vor den Kopf. "Klar! Wenn er wieder er selbst wird, hat er dasselbe an wie zuvor. Und das bei fünf Grad minus! Gut, dass du daran gedacht hast."
"Das macht die Übung. Wenn du häufiger bei solchen Einsätzen dabei bist, kommt das automatisch."
"Ich hole eben seine Schuhe und einen Pullover. Die Jacke hast du ja."
"Ich gehe dann schon vor in mein Zimmer. Es hat die Nummer 104. Warte noch kurz auf die Anderen, damit sie nicht suchen müssen."
"Okay, bis gleich."
Der kann ja richtig lieb sein, wenn er nur will. meinte Akela auf dem Weg.
Ich sagte ja, ich hätte mich erst mit ihm prügeln sollen, dann wäre das schneller gegangen.
Shannon schloss ihre Tür auf und prüfte routiniert den kleinen Schutzzauber, den sie hier angebracht hatte. Alles war in Ordnung. Sie betrat ihr Einzelzimmer und legte das Adlerbündel sorgsam auf ihrem Bett ab. Dann begann sie ihre Utensilien, die noch geordnet in ihrem Koffer lagen, in den vielen kleinen Taschen ihres Rucksacks zu verstauen.
"Die Kräuterbeutel, Kreide, Salz, die Halbedelsteine, Bergkristall, das Pendel, die gereinigten Schutzamulette, die drei Pulvermischungen, die Messingschalen, das kleine silberne Zeremonienmesser, Tafelkerzen in rot, schwarz und weiß." ging sie dabei laut durch, damit Akela sie auf Fehlendes aufmerksam machen konnte.
Als der Rucksack fertig bestückt war, klopfte es an der Tür.
Machst du mal auf? bat Shannon den Wolf, während sie sich auf dem Weg ins Bad einen Pullover über ihr T-Shirt zog.
Brian und Nick staunten nicht schlecht, als die Tür scheinbar von allein aufschwang. Sie traten ein und setzten sich aufs Bett, den Adler zwischen sich. Nick strich sacht mit einem Finger über sein glänzendes Gefieder.
"Wenn alles schief läuft und Kev so bleibt, wer sagt es dann seiner Familie?"
"Ich schätze, das darf ich machen. Schließlich bin ich mit ihm verwandt. Oder meinst du, unser Manager Lou würde das für mich tun?"
"Wohl kaum." Nick grinste schief bei dem Gedanken, aber das Grinsen verflüchtigte sich schnell.
"Ich würde Kev unglaublich vermissen, B-Rok."
"Klar Nicky, das würden wir alle." tröstend legte Brian einen Arm um den Jüngeren.
"Hilft es euch ein bisschen, wenn ich sage, dass noch nie jemand im falschen Körper stecken blieb?"
Shannon stand plötzlich direkt vor ihnen.
"Wie viele Fälle wie diesen hattet ihr denn schon?"
"Verwandlungsfälle schon sieben. An zweien haben wir selber mitgearbeitet." ertönte es von der Tür.
"Hi, Gabe." Shannon drückte den eintretenden Mann herzlich.
"Kätzchen, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du die Tür abschließen und sichern sollst?" schalt Gabriel sanft, als er seine Tasche abstellte.
Shannon lachte. "Akela hat mir mitgeteilt, dass du da bist, in dem Moment, als du unten durch die Tür gekommen bist. Und das ganze Gebäude ist, bis auf meine Wenigkeit, frei von Hexen."
"Trotzdem. Man kann nie vorsichtig genug sein." Er drehte sich zu den auf dem Bett Sitzenden um.
Gabriel war groß und schlank. Er hatte längeres, mausbraunes Haar und warme, von Lachfältchen umgebene, haselnussbraune Augen. Brian schätzte ihn auf Anfang bis Mitte dreißig.
Gabe zog erstaunt die Brauen hoch. "Euch kenne ich doch von den Postern, aus den Zimmern meiner Mädchen!"
"Wenn ich vorstellen darf: Brian, Kevin und Nick. Drei von den Backstreet Boys."
"Drei? Aber das... Oh!" Erst jetzt hatte er den Adler entdeckt. "Tut mir leid. Ich wollte nicht unsensibel sein... Freut mich euch mal kennen zu lernen." Er schüttelte den beiden blonden jungen Männern die Hand und nickte dem Adler zu.
Howie und AJ sind draußen. meldete Akela.
Im nächsten Augenblick klopfte es an der Tür.
Shannon zog sich ihren Mantel an, während Brian öffnete. AJ hatte eine Sporttasche dabei, aus der seitlich ein Baseballschläger ragte. Auf Shannons hochgezogene Brauen hin meinte er: "Der ist für den Notfall."
"Solange du keinen von uns damit triffst, ist mir das ziemlich egal, glaube ich." Sie stellte den Beiden Gabriel vor und griff nach ihrem Rücksack.
"Kann ich dir was tragen helfen?" erkundigte sich Brian.
Er folgte ihrer Blickrichtung zum Bett und wurde eine Spur blasser. Der Adler sah glücklicherweise gerade in eine andere Richtung und so bekam Kevin nicht mit, dass sein Cousin ihn in dem Zustand nur ungern berühren wollte.
Shannon reichte Brian ihren Rucksack und wies ihn an, damit in ihrer unmittelbaren Nähe zu bleiben, dann nahm sie vorsichtig den Adler hoch. Gabriel schloss ab, derweil Shannon den Sicherungszauber erneuerte.
"Wir müssen in den Keller, von da kam die negative Energie." erklärte sie den Anderen.
"Und wie kommen wir da runter?" wollte AJ wissen.
"Akela macht das schon."
Shannon ging in Richtung Treppe voran, machte abrupt kehrt und zischte: "Bodyguards!"
Blitzschnell liefen sie zur Hintertreppe, unbemerkt geführt von dem Wolf, den bis auf den Adler und Shannon keiner aus der Gruppe sehen konnte.


3.Kapitel

Akela fand tatsächlich innerhalb kürzester Zeit den Keller. Von hier an navigierte Shannon sie, mit Hilfe ihrer medialen Fähigkeit, zu dem Ort wo der Zauber ausgesprochen worden war. Der Heizungskeller war schweißtreibend warm. An der Decke und den Wänden verliefen Rohre verschiedener Dicke und Gabe musste häufig den Kopf einziehen, um sich nicht zu stoßen.
Im hintersten Winkel des Heizungskellers fanden sie, was sie suchten. In einer Nische war mit Kreide ein Kreis auf den Boden gezeichnet worden. Schwarze Wachsflecken zeigten an, wo an dem Kreis Kerzen gestanden hatten. Merkwürdige Symbole bedeckten den Boden innerhalb des Kreises. Shannon übergab den Adler an Nick und umkreiste mit Akela das Gebilde, das den Boden zierte. Sie untersuchte genau jede Rune, wobei Gabriel ihr mit einer mitgebrachten Taschenlampe leuchtete. Plötzlich erstarrte der Wolf.
"Gabe, ich brauche das Licht genau hier." Der Strahl der Taschenlampe folgte Shannons Fingerzeig. "Brian, meine Sachen bitte."
Brian ging um den Kreis herum zu ihr, ohne die Linie zu berühren, und setzte den Rucksack neben ihr ab. Shannon holte aus einer Tasche das Zeremonienmesser und das Pendel, das sie am Ende aufschraubte. Dann zog sie das Messer aus der Scheide und kratzte etwas vom Boden los, um es in das Pendel abzustreichen. Mit einem Tuch säuberte sie die Klinge, bevor sie das Messer wieder wegsteckte. Das Pendel schraubte sie wieder zu und hielt es mit triumphierendem Grinsen hoch. Akela lachte leise in ihren Gedanken.
"Diese Dummköpfe." Gabriel schüttelte den Kopf.
"Was ist denn?" wollte Nick wissen.
"Sie haben sehr deutliche Spuren hinterlassen, weil sie nicht ahnten, dass sich innerhalb von zwei Stunden jemand auf ihre Fährte setzen könnte." erklärte Shannon.
"Ich weiß jetzt, durch die Runen, wer hier gerufen wurde und habe auch noch einen Tropfen Blut des Rufenden gefunden. In ein paar Minuten wissen wir wo sie stecken."
"Wieso hast du Blut gefunden?" fragte Howie verwirrt.
"Ein Dämon kann auf verschiedene Weise dazu gebracht werden etwas zu tun. Er kann gezwungen werden, wenn der Wille des Menschen, der ihn gerufen hat, stark genug ist. Er kann bestochen werden mit Blut des Beschwörers, Gaben jeder Art und sogar mit Tier- oder Menschenopfern."
"Und was hat ein Dämon von Blut und Opfergaben?" erkundigte sich Nick. Er klang ziemlich erschüttert.
"Solche Dinge steigern seine Macht. Denk lieber nicht so viel darüber nach. Aus Erfahrung weiß ich, dass man davon schnell Albträume bekommt."
Gabriel hatte inzwischen eine Karte auf dem Boden ausgebreitet. Shannon ging zu ihm, gefolgt von Brian mit ihrem Rucksack. Sie kniete sich neben Gabriel, der ihr auf der Karte einen Punkt wies. Shannon murmelte einige fremdartige Worte und ließ das Pendel über dem angewiesenen Punkt ruhig von ihrer Hand herabhängen. Einen Augenblick lang geschah gar nichts. Nick ertappte sich dabei wie er die Luft anhielt. Der Adler in seinem Arm hechelte leise in der Wärme des Kellers.
Plötzlich schwang das Pendel leicht in eine Richtung, scheinbar wie magnetisch von etwas angezogen. Shannon folgte, mit dem Pendel in der Hand, der Richtung, bis das Pendel begann zu kreisen. Mit der freien Hand tippte sie auf den Punkt.
"Genau hier."
"Das ist der Platz wo die Köln Arena gebaut wird. Da ist jetzt nichts los, die Arbeiter haben Feierabend. Das Gelände ist aber sehr unübersichtlich. Ein perfekter Platz für eine Falle, wenn du mich fragst."
Shannon sah Gabe entsetzt an. "Du meinst, sie erwarten uns? Das würde auch erklären, warum sie es uns so leicht machen sie zu finden!"
"Möglich wäre es. Vielleicht kam deine Einladung nach Köln ja von ihnen."
Shannon steckte das Pendel ein, stand auf und lief auf und ab.
"Aber der Direktor der Inneren Abteilung hat mir gratuliert, bevor ich das Schreiben gegenüber irgendjemanden erwähnt hatte. Und es wurde an meine Adresse gesendet und somit nicht durch die Registratur überprüft. Es konnte niemand wissen was drinstand, bis auf den Schreiber und dessen Auftraggeber. Es muss von der OCRSI sein."
"Jemand von außerhalb der Organisation hätte aber genug Zeit gehabt davon zu erfahren und alles vorzubereiten, nachdem du jemandem davon erzählt hast. Es war ja kein Geheimnis, ich habe ja sogar Sandra und Mary davon erzählt." Gabe erstarrte als ihm klar wurde was das heißen konnte.
"Nein!" Shannon schüttelte heftig den Kopf. "Wenn deine Familie das Ziel hätte sein sollen, hätten sie während eines meiner Besuche bei euch gehandelt und die Jungs hier nicht mit reingezogen. Wenn es eine Falle sein sollte, wurde sie entweder auf mich persönlich zugeschnitten und sie rechnen eventuell gar nicht mit dir, oder sie wollen die Organisation bloßstellen und uns sozusagen als Bonus beseitigen."
"Das gefällt mir nicht! Das gefällt mir gar nicht!" AJ schüttelte heftig den Kopf. Die Anderen sahen ziemlich schockiert aus. Der Adler zischte leise.
"Ich kann verstehen wenn ihr jetzt aussteigen wollt. Die Sache wird zu gefährlich." sagte Shannon leise. "Es ist mein Fehler. Ich dachte es wäre ein Kinderspiel. Jemand der mit Magie herumexperimentiert und aufgehalten werden muss. Nein, die Sache wird einfach zu gefährlich. Ich ziehe sie allein durch."
"Nein!"
"Gabe, denk doch an deine Familie! Deine Mädchen brauchen dich doch!"
"Du gehörst seit sieben Jahren ebenfalls zu dieser Familie, wie du dich vielleicht erinnerst!"
"Ich lasse Kevin nicht im Stich. Ich habe ihm versprochen zu helfen. Genauso wie ich deiner Frau Susan versprochen habe, auf dich acht zu geben."
"Und dabei dein Leben zu riskieren?"
"Möglicherweise machen wir gerade aus einer Mücke einen Elefanten!"
"Ich werde mich selbst davon überzeugen, ob es eine Mücke oder ein Elefant ist. UND", unterband er Shannons Einwand, "diese Diskussion ist hiermit beendet! Findet ihr von hier wieder nach oben?" fragte er die Jungs.
Brian sah erst Howie an, dann AJ, die beide mit einem Nicken reagierten.
"Wir kommen mit. Ihr könnt alle Hilfe brauchen die ihr kriegen könnt. Und wenn euch was passiert, was wird dann aus Kevin?"
"Dann komme ich auch mit!"
"Nick, das ist keine gute Idee." versuchte Howie ihn umzustimmen.
"Hey, ich bin alt genug, um das selbst zu entscheiden! Ich setze mich doch nicht gemütlich in unser Hotelzimmer, während ihr Kopf und Kragen riskiert! Ich halte mich meinetwegen aus dem Trouble raus, aber mitkommen werde ich auf jeden Fall!"
"Ich nehme an, ich kann das keinem von euch wieder ausreden?" hakte Gabe nach.
Vierfaches Kopfschütteln war die Antwort.
"Na toll. Worauf warten wir dann noch?" resigniert faltete er seine Karte wieder zusammen und packte sie ein.
Akela, der sich die ganze Zeit herausgehalten hatte, lachte leise.
Du bist wirklich in bester Gesellschaft. Dickköpfe unter sich.
Wie gut, dass du dich selbst mit dazuzählst, HUND. fauchte Shannon wütend, was den Wolf aber nur noch mehr erheiterte.
Er führte die Gruppe zu einer Tür, die, nachdem Gabriel sie unter gemurmelten Applaus der Jungs mit einem Dietrich geöffnet hatte, eine Treppe hinauf in einen Hinterhof führte. Shannon hatte Nick, der neben ihr ging, den Adler wieder abgenommen. Direkt hinter ihr folgten Brian mit ihrem Rucksack und Howie. AJ bildete mit Gabriel den Schluss. Akela lief voraus als würde er sich auskennen. Zielsicher rannte er auf einen Durchgang zu, der sie direkt auf die Straße führte. Inzwischen dämmerte es, und weit und breit war kein Mensch zu sehen, obwohl es noch nicht mal sechs Uhr war.
"Ich schlage vor ihr wartet hier. Ich hole eben meinen Wagen." meinte Gabriel. Shannon nickte zustimmend und er verschwand um die nächste Ecke.
"Bis zur Baustelle ist es nicht weit. Aber falls wir schnell weg müssen, ist es besser im Auto unterwegs zu sein." erklärte sie den Anderen. Sie erntete ein zustimmendes Nicken.
Nach dem warmen Keller war es hier im Freien empfindlich kalt, besonders weil sie jetzt still standen und dem Wind ausgesetzt waren. Shannon begann zu frösteln. Sie hätte gern den Mantelkragen hochgeschlagen, aber mit Kevin auf den Armen war ihr das nicht möglich. Der Adler schien auch Probleme mit dem Wind zu haben, denn er zog den Kopf ein, soweit es ging.
Wie auf Kommando bildeten die Jungs auf einmal einen engen Kreis um sie. Brian, der direkt vor Shannon stand, richtete mit einem schiefen Grinsen ihren Kragen auf. Dankbar lächelte sie ihn an. Einen Augenblick lang erlaubte Shannon sich die Vorstellung immer so umsorgt und beschützt zu werden. Ein schöner Traum, aber zu weit von der wirklichen Welt entfernt als das er wahr werden könnte, wie sie wusste. Akela schmiegte sich eng an ihre Beine, um sie etwas zu wärmen.
"Sag mal, dein Wolf... Redet der mit dir?" fragte AJ plötzlich.
"Mhm." machte Shannon. Die Gefahr mit den Zähnen zu klappern, wenn sie den Mund öffnete, war zu groß.
"Und was sagt er so... über uns?"
Brian verdrehte die Augen. "Sag mal Bone, ist das jetzt deine größte Sorge? Was ein unsichtbarer Wolf von dir halten könnte?"
"Na ja, ich wüsste es ganz gern!"
Nick kicherte und dem leisen Stöhnen hinter sich entnahm Shannon Howies Begeisterung.
Du kannst ihm sagen, dass ich ihn für einen misstrauischen, hitzköpfigen Neandertaler mit Baseballschläger als Keule halte. lachte Akela.
"Nein, das sage ich ihm nicht." Zu spät merkte Shannon, dass sie laut gesprochen hatte. Sofort hatte sie die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden.
"Ich hab's doch geahnt! Der macht sich lustig über mich!" rief AJ. "Hör mal du dummes Vieh! Wenn du dich mit mir anlegen willst, ich stehe genau hier und warte!"
"Ich glaub es einfach nicht! Du streitest dich mit etwas, das du weder hören noch sehen kannst! Kannst du mir mal erklären warum du das machst?" wollte Brian wissen.
AJ zuckte mit den Schultern. "Mir ist langweilig!"
Nick war nicht mehr zu halten. Prustend taumelte er ein paar Schritte von den Anderen weg. Auch Howie und Brian konnten sich das Lachen nicht verkneifen. AJ grinste.
Gabriel brachte in diesem Moment seinen Van am Straßenrand zum Stehen.
"Was ist denn hier los?"
Jetzt zuckte Shannon mit den Schultern. "Langeweile." erwiderte sie trocken.
Dieses Wort wurde von erneuten Lachanfällen begleitet. Shannon stieg schon ein, derweil die Jungs sich erst mal wieder beruhigen mussten. Behutsam half sie Kevin sich aus der Lederjacke zu befreien. Gabe stellte seine und AJ's Tasche nach hinten und Shannons Rucksack zwischen deren Füße. Dann legte er Kevins Lederjacke, auf Shannons Bitte hin, auf die Taschen.
Mit dem Adler auf dem linken Unterarm durchsuchte Shannon einhändig den Rucksack.
Kann ich dir was helfen, Kätzchen? wollte Akela wissen, als er sich zu ihren Füßen niederließ.
"Ja, die Schutzamulette. Hast du gesehen ob ich sie eingepackt habe?"
Ich weiß, dass sie irgendwo da drin sein mü... Der Vogel hat sie!
Tatsächlich hatte der Adler plötzlich einen Lederbeutel im Schnabel, den er ihr hinhielt. Shannon nahm ihn und sah erst ihn, dann den Adler überrascht an.
Na, der gehört wohl zu der Sorte die fast alles mitkriegt. bemerkte der Wolf.
Ja, wie ich so gelesen habe, hat Kevin Richardson einen verdammt klugen Kopf auf den Schultern. antwortete Shannon versonnen.
Wie gut, dass er nur mich hören kann. lachte Akela auf.
Shannon wurde rot. Sie hatte schon wieder vergessen, dass ihre Gespräche mit ihrem Geistführer nicht mehr unbelauschbar waren. Aber glücklicherweise bekam Kevin ja nur Akelas Part der Kommunikation mit. Sie warf dem Wolf einen giftigen Blick zu, weil er sie so in Verlegenheit gebracht hatte. Ihre Vorliebe für den Ältesten der Backstreet Boys mussten ja nicht alle mitkriegen...
Endlich konnten sich die anderen Jungs entschließen ebenfalls an Bord zu kommen. Brian setzte sich neben Gabe auf den Beifahrersitz, die Anderen zu Shannon. Sie gab jedem ein Amulett, wobei sie sorgfältig darauf achtete nur die Lederbänder zu berühren.
"Diese Anhänger schützen vor Magie." erklärte sie. "Ihr dürft jeder nur das in die Hand nehmen, das ihr selbst tragt. Sie sind sozusagen gereinigt und jede Berührung verfälscht ihre Wirkung, weil die Amulette sich auf den jeweiligen Träger eichen."
"Kannst du das noch mal so erklären, das ich es auch verstehe?" fragte Nick, der neben ihr saß.
AJ schlug ihm leicht auf den Kopf.
"Du sollst die Finger von anderen Amuletten lassen, verstanden?"
"Jaja, ist ja schon gut! Entschuldige, dass ich so intelligent bin nachzufragen, wenn ich was nicht verstehe." maulte Nick.
Gabriel nahm sein Amulett von Shannon entgegen.
"Hast du eigentlich immer ein Dutzend Amulette dabei?" erkundigte er sich.
"Nein, nur ein Halbes."
Akela und Nick brachen in Gelächter aus.
"Nimmst du keins?" forschte Brian, der sich zu ihr umgewandt hatte.
Shannon zog unter ihrem Pullover einen moosgrünen, mit verschlungenen hellen Linien verzierten Anhänger hervor.
"Ich habe eins. Das trage ich immer bei mir."
Ist ja auch von mir. scherzte Akela.
Du läufst gleich nebenher. gab Shannon zurück. Das ließ den Wolf verstummen.
"Okay, wir sollten vielleicht besprechen wie wir vorgehen, bevor wir gleich in irgend eine Situation stolpern, der wir nicht gewachsen sind. Am wohlsten wäre mir ja, wenn wir die Organisation verständigen und auf Hilfe warten könnten. Aber die Gefahr, dass die Typen Lunte riechen und spurlos verschwinden, ist einfach zu groß. Und dann könnte es lange dauern unseren Freund da aus der Misere wieder rauszuholen." Gabe deutete mit dem Daumen auf den Adler.
"Wenn es eine Falle ist, begegnen wir dem am besten in kleineren Gruppen. Ich schlage Dreiergruppen vor, damit keiner ohne professionelle Unterstützung loszieht." meinte Shannon.
"Das wird wohl am besten sein." stimmte Brian zu, die Anderen nickten.
"Gut, dann bilde ich eine Gruppe mit Nick und AJ. Gabe, du gehst mit Brian und Howie."
"Fein! Der unschlagbare AJ schützt die Kleinen und Schwachen vor dem Bösen!" AJ platzte vor Stolz.
"Falsch! Shannon, die ausgebildete Hexe, beschützt den Kleinen und den Trottel!" berichtigte Brian.
"Ich bin gar nicht klein!" begehrte AJ auf.
"Mit klein warst du auch nicht gemeint! Hör auf zu stänkern, die Sache ist verdammt ernst!"
"Entschuldige wenn ich das sage Shannon, aber mir ist nicht wohl dabei, wenn ein Mädchen mit zwei Halbwüchsigen in den Kampf ziehen will." warf Howie ein.
"Um mich brauchst du dir keine Sorgen zu machen, D. Ich kann auf mich aufpassen." beruhigte AJ.
"Ehrlich gesagt tue ich das auch nicht, Bone."
"Keine Sorge Howie. Die Typen werden Nick nicht mal zu sehen kriegen. Außerdem ist Akela ja auch noch da. Und ich habe ein paar interessante Tricks drauf, mit denen die bestimmt nicht rechnen."
Gabriel bestätigte Shannons Worte mit einem Grinsen.
"Also gut. Wenn jetzt die Gruppierung feststeht, was ist das Ziel der Aktion?" erkundigte sich Brian.
"Ich brauche für den Gegenzauber einige Tropfen Blut von dem Typen, der den Dämon beschworen hat. Sollten sie uns auflauern wäre es nett, wenn ihr mir so viel Freiraum verschaffen könntet das Ganze gleich durchzuziehen. Das Blut muss für die Beschwörung frisch sein. Geronnen nutzt es gar nichts."
"Und wie finden wir den richtigen, wenn es mehrere sind?"
"Das macht Akela mit seiner Spürnase schon."
"Typen finden, Typen verprügeln, Typen bluten lassen, zaubern. Alles klar." fasste AJ zusammen.
"Na dann, auf geht's." Gabriel drehte den Zündschlüssel und fuhr los.

Das Licht wurde allmählich wirklich spärlich, als sie die Baustelle erreichten. Das Gelände war riesig. Überall stand Baugerät herum, Bauschutthügel und Materialstapel versperrten die Sicht und vor dem dunklen Himmel hoben sich Kräne als noch dunklere Schatten ab.
Gabriel hatte den Motor ausgestellt und ließ den Wagen mit abgeschalteten Scheinwerfern ausrollen. Um sie herum herrschte Stille.
"Wenn jemand unser Kommen bemerkt hat, lässt er sich bestimmt nicht blicken."
"Ich denke wir sollten aussteigen."
"Und was sollen wir da jetzt, Miss Hexe? Bei der Dunkelheit fallen wir doch höchstens in eine Baugrube!"
"Du möchtest Licht, AJ? Das kannst du haben!"
Shannon stieß eine Hand in die Luft und zischte ein unverständliches Wort. Augenblicklich wurde das Gelände von Helligkeit überflutet, die von den Spitzen der Kräne ausstrahlte. Es gab keinen einzigen Schatten mehr, in dem sich jemand hätte verstecken können.
"Na toll, AJ! Musstest du sie so provozieren? Jetzt weiß jeder im Umkreis einer Meile, dass wir hier sind!" Brian war stinksauer.
"Das ist schon okay so, Kumpel. Wir brauchen das Licht um sie zu finden, sonst könnten sie uns von hinten angreifen ohne dass wir sie überhaupt bemerken. Wir machen das eigentlich immer so. Naja, fast so. Das ist das hellste Hexenlicht, das ich je gesehen habe..." meinte Gabriel.
"Tut mir leid. Wenn Emotionen mit reinspielen kann meine Hexerei etwas extrem werden."
"Jedenfalls sollte es uns jetzt möglich sein sie zu finden. Gehen wir?" fragte Howie.
Sie stiegen aus. AJ schnappte sich als erstes den Baseballschläger aus seiner Tasche.
"Hast du alles was du brauchst, Shannon?" erkundigte sich Gabe, während er sich ein paar Handschellen einsteckte.
"Ja, du kannst deine Tasche ruhig hier lassen." Behutsam setzte sie den Adler in den Innenraum des Wagens. "Du bleibst besser auch hier. Die Gefahr, dass dir bei dieser Aktion was passiert, ist einfach zu groß. Ich komme dich holen wenn ich das Blut habe, okay?" Der Adler sah sie unverwandt an.
Brian reichte Shannon ihren Rucksack. Dann gingen sie los, die Seitentür des Wagens blieb offen stehen. Sobald sie das Baugelände betraten, trennten sich die zwei Gruppen und verschwanden außer Sicht.
Darauf hatte der Adler nur gewartet. Mutig benutzte er seine unerprobten Schwingen und erhob sich taumelnd in den dunklen Nachthimmel. In Höhen, in denen nicht mal das Hexenlicht ihn mehr erreichte.


4.Kapitel

Nachdem sie sich von den Anderen getrennt hatte, hielt Shannon sich mit ihrer Gruppe Rechts. Akela hatte vorher unmissverständlich klar gemacht, dass sich mindestens fünf Personen auf dem Gelände aufhielten, wahrscheinlich aber mehr. Das war durch das Kommen und Gehen der Arbeiter nicht leicht festzustellen, da der Feierabend der Bauarbeiter mit der Ankunft der fremden Gruppe zusammengefallen war. Shannon hatte die Anderen gewarnt. Sie wussten jetzt dass es eindeutig eine Falle war und sie konnten nur hoffen, dass diese Typen nicht mit sechs Leuten rechneten.
Shannon suchte sich eine halbwegs sichere Ecke. Drei Seiten waren durch Baumaterialstapel geschützt, zwischen denen man sich im äußersten Notfall gerade noch hindurchquetschen konnte, die vierte Seite war offen. Dort bezog AJ mit seinem Schläger Stellung, während Shannon Nick beiseite nahm.
"Nick, ich werde jetzt einen Spruch bei dir anwenden. Er bewirkt, das die Anderen dich nicht bemerken. Sie werden dich sehen, aber einfach vorbeigehen, weil sie dich nicht registrieren. Du brauchst keine Angst haben, es tut nicht weh. Bist du bereit?"
"Ich vertraue dir." Nick lächelte sie offen an.
"Gut, dann los." Shannon wisperte wieder einige Worte in dieser fremdartigen Sprache. Der Zauber, den sie benutzte, war eng verwandt mit dem, der an den Amuletten haftete, so dass Nicks Amulett ihn nicht abwehrte.
"Okay, das war es schon." Shannon war zufrieden.
"Hat es wirklich geklappt?" wollte Nick wissen.
"Du hast bestimmt gleich die Gelegenheit ihn auszuprobieren."
"Seid ihr zwei da bald fertig? Ich hab das Gefühl da kommt jemand!" flüsterte AJ.
Der hat wirklich Angst vor seinem eigenen Schatten. beschwerte sich der Wolf.
Schon gut Bruder, er macht das hier schließlich zum ersten Mal.
Shannon schob ihren Rucksack zwischen zwei Stapel und bedeutete AJ und Nick sich den Platz gut zu merken. Dann machten sie sich zusammen auf die Suche nach den Schwarzmagiern.

Gabriel war mit seiner Gruppe nach links abgebogen. Er fühlte sich unwohl, da er an Akelas Anwesenheit bei ihren Aufträgen gewöhnt war. Der Wolf war immer so was wie eine Zusatzversicherung, falls irgend etwas schief ging. Aber er war bei den Jüngeren wichtiger. Gabriel traute AJ nicht viel zu. Er war einfach zu hitzköpfig und impulsiv. Und Nick? Der erinnerte Gabe an seine jüngere Tochter. Lieb und schüchtern. Akela wurde eindeutig dort gebraucht.
Die beiden Jungs hinter ihm benahmen sich fast wie Profis. Sie waren nahezu lautlos, wirklich nicht schlecht. Wenn Sandra allerdings ahnte, dass ihr Paps ihren großen Helden Brian in Lebensgefahr brachte, bräuchte er wohl nie wieder nach Hause kommen.
Vor ihnen erklang plötzlich ein Scheppern. Dann traten vier Kerle hinter einem Schutthaufen hervor, alle nur wenig kleiner als Gabe. Der Vorderste grinste sie hämisch an.
"Sieh mal einer an! Backstreet Boys! Ihr habt euch wohl verlaufen, was? Wir zeigen euch gerne den Weg ins nächste Zementloch. Wo habt ihr denn die Hexe gelassen?"
"Hinter euch und sie wird euch gleich gewaltig in den Arsch treten!" versuchte Gabe zu bluffen. Aber die Kerle fielen nicht darauf rein. Sie begannen die Gruppe einzukreisen und Gabe, Brian und Howie blieb nichts anderes übrig als sich Rücken an Rücken in Verteidigungsstellung zu bringen. Es sah wirklich böse aus.
"Was ist denn, Jungs? Wollt ihr uns nicht in die Flucht singen?" Die Angreifer brachen in schallendes Gelächter aus. Der Erste wollte gerade zuschlagen, als etwas pfeilschnell an ihm vorbeizischte. Die ganze Gruppe fuhr herum. Es war aber nichts zu sehen.
Der Anführer schüttelte den Kopf. "Da ist nichts! Macht weiter!"
Im nächsten Moment stieß das Nichts einen gellenden Schrei aus und fuhr direkt auf ihn herab, die messerscharfen Klauen nach vorn gereckt. Im letzten Augenblick wich der Mann aus und sprang zur Seite. Der Adler fing den Sturzflug ab und gewann wieder an Höhe.
Gabriel nutzte ihre möglicherweise einzige Chance und schlug dem Burschen neben ihm mit aller Kraft seinen Ellenbogen ins Gesicht. Mit einem Schrei brach der Kerl in die Knie. Howie und Brian überwanden jetzt ebenfalls ihre Überraschung und stürzten sich auf zwei der Angreifer. Erleichtert stellte Gabriel fest, dass die Backstreet Boys allem Anschein nach noch andere Dinge als Singen auf Lager hatten.
Inzwischen war der Boss der Truppe wieder auf den Beinen und suchte fluchend den Himmel ab. Dort oben war jedoch nichts zu sehen. Und das hatte einen Grund. Kevins Schrei erklang direkt hinter ihm. Der Mann fuhr herum und bekam gezielt die Krallen durchs Gesicht gezogen. Er fiel brüllend auf die Knie und schlug die Arme vor sein Gesicht, um sich vor der nächsten Attacke zu schützen. Der Kerl, dem Gabe die Nase gebrochen hatte, und die Zwei, die von Brian und Howie bearbeitet worden waren, nahmen Reißaus.
Unmittelbar über den Flüchtenden erschallte erneut der Ruf des Adlers.
"Jaaaaa! Mach sie fertig Alter! Zeig ihnen, dass man so was mit uns Kentucky-Boys nicht machen kann!" jubelte Brian ihm hinterher.
"Und mit uns Backstreet Boys schon gar nicht!" rief Howie lachend.
Gabriel schmunzelte über dieses Triumphgeschrei, dann drehte er sich zu dem Kopf der Bande um... und fluchte. Er war weg...

Shannon hörte den Schrei des Adlers und fuhr herum.
"Was war das?" fragte Nick verunsichert.
"Kevin!" hauchte Shannon entsetzt.
"Wir müssen sofort zurück zum Wagen!" AJ war drauf und dran an ihr vorbeizustürmen.
"Nein! Warte!" Shannon umklammerte ihn mit beiden Armen und hatte Mühe ihn aufzuhalten.
"Verdammt, wenn die ihm irgendwas tun, bringe ich sie um!" tobte er.
"AJ, es war ein Angriffsschrei! Kevin greift SIE an. Er hat tödliche Krallen und einen scharfen Schnabel! Bei diesem Kampf würde ich nicht auf den Menschen setzen!"
"Du glaubst wirklich er hat eine Chance?" erkundigte sich Nick. AJ hörte auf, sich gegen Shannon zu wehren.
"Frag dich selbst, du kennst ihn schließlich viel besser als ich."
Einen Moment herrschte Stille, dann gellte wieder ein Schrei des Adlers über den Platz.
"Er wird sie fertig machen!" flüsterte AJ.
"Ja, das wird er!" Nick strahlte über das ganze Gesicht.
Shannon ließ AJ los.
Da kommt wer! schreckte Akela sie auf.
"Schnell, versteckt euch!" rief Shannon. Aber es war zu spät. Drei dunkel gekleidete Gestalten bogen um eine Ecke. Zwei von ihnen waren größer als AJ, die Hinterste war kleiner.
"Sieh da, die Hexe und ihr Bodyguard. Glaubst du etwa dieses Würstchen kann dich vor uns beschützen?"
"Ich gebe dir gleich Würstchen!" zischte AJ.
Es tut mir leid! Ich hätte besser aufpassen müssen! Ich habe mich von dem Vogel ablenken lassen! wimmerte Akela verzweifelt.
Ist schon gut. Es sind ja nur drei. Das könnte gerade so klappen.
Shannon warf einen Blick in Nicks Richtung, der sich, wie zuvor abgesprochen, in Richtung eines Schutthaufens zurückgezogen hatte. Tatsächlich nahmen die Kerle keine Notiz von ihm. Dafür gingen sie unmittelbar zum Angriff über. Der Erste tauchte unter AJ's Baseballschläger durch und erwischte ihn mit dem Ellenbogen an der Schulter. AJ kam ins straucheln. Bevor er sich wieder fangen konnte, hatte sein Widersacher ihm den Schläger aus der Hand gerissen und wollte ihn AJ in den Magen rammen. Akela war schneller, schlug seine kräftigen Kiefer in das Holz und riss dem Mann den Schläger aus der Hand. Jetzt konnte AJ ungehindert seine Faust in das Gesicht seines Angreifers schlagen.
Der zweite Kerl stürzte indessen auf Shannon los und packte sie. Shannon ließ sich blitzschnell nach hinten fallen und warf ihn, mit einem kräftigen Stoß ihrer Füße, hinter sich. In einer geschmeidigen Bewegung kam sie wieder hoch. Mit verdattertem Gesicht stand auch ihr Gegenüber auf. Shannon winkte ihn lässig zu sich heran.
Unvermittelt gleißte ihr Amulett hell auf. Shannon fuhr herum. Da stand der kleinere der Typen mit erhobenen Armen und versuchte einen Bannspruch nach dem anderen auf sie zu legen. Ihr Anhänger erwärmte sich zwar, aber die Magie prallte wirkungslos an ihm ab.
Ihr voriger Gegner packte sie auf einmal von hinten, seine Arme lagen um ihren Oberkörper und ihren Hals und drückten ihr die Luft ab. Der Schwarzmagier gab seine fruchtlosen Versuche auf und stürmte auf sie zu. Er zog ein Messer und wollte es ihr gerade in den Körper rammen, als sie das Knie hochzog und seine Kronjuwelen in Scherben trat. Das machte ihn für den Augenblick bewegungsunfähig. Er ließ das Messer fallen und hielt mit beiden Händen die Reste zusammen. Mit noch der selben Bewegung stampfte Shannon mit aller Macht auf den Fuß des Feindes hinter ihr. Der brüllte auf, stieß sie von sich und hinkte aus ihrer Reichweite.
Shannon sah sich um. AJ war in seinem Kampf wieder der Unterlegene. Bevor Akela ihm jedoch erneut zu Hilfe eilen konnte, zog Nick AJ's Widersacher den Baseballschläger über den Kopf. Der Magier lag noch am Boden und stieß höchst interessante Laute aus. Shannon überlegte sich nachzutreten, ließ es aber und schnappte sich nur das Messer, um es in weitem Bogen in den nächsten Schutthaufen zu verfrachten. Der Typ der sie von hinten gepackt hatte, hatte inzwischen das Weite gesucht. Shannon erwog kurz ihn zu verfolgen.
Plötzlich ließ eine Kugel den Boden vor ihr aufspritzen. Shannon sprang in Deckung. Im gleichen Augenblick schrie der Adler irgendwo über ihr vor Wut auf. Shannon spähte hinter dem Bretterstapel hervor und sah, wie er auf einen Mann niederstieß. Er verfehlte ihn nur knapp und schraubte sich wieder in die Luft. Doch dabei bot er ein ausgezeichnetes Ziel!
Der Kopf der Bande schoss.
Mit einem Aufschrei zuckte der Adler zusammen, dann fiel er.
Shannon sprintete los. Es war ihr egal, dass sie diesem Schwein ins Schussfeld rannte. Wenn er den Adler nicht getötet hatte, der Aufprall würde es auf jeden Fall tun!

Akela sah, wie Shannon loslief und rannte so schnell ihn seine Pfoten trugen hinterher. Er sah, wie sie schlitternd zum Stehen kam, den Blick nach oben gerichtet, die Arme nach dem fallenden Tier ausgestreckt. Er sah, wie der Mann seine Waffe auf Shannon richtete. Er hörte die Angstschreie von AJ und Nick, die verzweifelt versuchten sie zu warnen. Akela sprang, und in dem Moment, in dem sich seine Kiefer um den Arm des Mannes schlossen, drückte der ein zweites Mal ab.


5.Kapitel

"Oh... Gott! Oh... mein... Gott!" stammelte Nick.
"Bitte, bitte nicht! BITTE!" AJ rannte los, auf die kleine Gestalt zu, die in einiger Entfernung vor ihm am Boden lag und sich nicht rührte.
Nick sah zu dem Schützen. Der versuchte sich mit aller Kraft gegen ein deutlich sichtbares weißes Etwas zur Wehr zu setzen. Gegen einen großen weißen Wolf mit rot glühenden Augen.

Keuchend vor Angst und Erschöpfung erreichte AJ Shannon. Sie lag auf dem Rücken, die Beine angewinkelt, die Arme ausgebreitet, und auf ihrer Brust lag mit gespreizten Schwingen der Adler.
"Shannon? Shannon, bitte sag doch was!" flüsterte AJ. Tränen liefen ihm über das Gesicht. Irgendwo in der Nähe ertönte ein wildes Knurren.
Eine kleine Ewigkeit geschah gar nichts und dann... stöhnte Shannon.
"Shannon?" Nick war neben AJ aufgetaucht.
Ihre Augenlieder flatterten, dann schlug sie die Augen auf und sah sie an. Und sie hörte das Knurren.
"Oh nein... Er wird ihn noch umbringen... Schnell, helft mir." keuchte sie.
Behutsam hoben sie zu zweit den Adler von ihr herunter. Shannon stand taumelnd auf und holte tief Luft.
"AKELA!!!" schrie sie laut und in Gedanken.

Gabriels Gruppe hatte den ersten Schuss aus der Entfernung gehört. Sie waren losgerannt, so schnell sie nur konnten. Das Bild, das sich ihnen jetzt bot, war wie aus einem Horrorfilm. Ein riesiges weißes Monster stand breitbeinig über einem Mann. Die Lefzen zurückgezogen, um ein gewaltiges Gebiss zu entblößen. Speichel troff aus dem aufgerissenen Maul.
Und dann sahen sie Shannon, die auf die Beiden zulief.
Brian wollte sie zurückhalten, verhindern dass das Vieh sie auch zerfleischte, wie es zweifellos gleich mit dem Mann geschah, aber Gabriel hielt ihn im letzten Augenblick fest.

Das geifernde Maul des Wolfes war nur wenige Millimeter über dem Gesicht seines Feindes zum Stillstand gekommen. Und das auch nur, weil der den Hals des Wolfes gepackt hielt und so weit wie möglich von sich weg drückte.
MÖRDER! ELENDER MÖRDER! schrie Akela direkt in die Gedanken des Mannes und dazu schickte er ein paar Bilder von den Dingen, die er mit ihm anzustellen gedachte. Sehr blutige Dinge und nur wenige davon schnell tödlich.
Dann war da auf einmal etwas anderes... Sein Name. Und eine vertraute Hand, die ihn am Nacken packte und zurückzog.

Gabriel griff sich den Mistkerl, drehte ihn bäuchlings und legte ihm Handschellen an.
Brian und Howie starrten mit einer Mischung aus Faszination und Grauen auf den riesigen Wolf, der wie ein junger Hund immer wieder an Shannon hochsprang, ihr durch das Gesicht leckte und sich gar nicht wieder beruhigen konnte.
Es ist ja schon gut, schon gut mein Liebling. Ich bin in Ordnung. Es geht mir gut. Shannon hatte ihre Arme um den Wolf gelegt und drückte ihr Gesicht in sein Fell. Komm schon Liebling, beruhige dich! Wir müssen uns um Kevin kümmern. Ich glaube es hat ihn böse erwischt. Sie richtete sich auf und fand sich von zwei Augenpaaren angestarrt.
"Das ist Akela." versuchte sie eine Erklärung, aber Brian und Howie rührten sich trotzdem nicht.
"Shannon?!" schrie Nick. Sie fuhr herum. Er stand da mit AJ, den Adler im Arm, an der Stelle wo sie Kevin aufgefangen hatte. Sein Kopf und seine Flügel hingen leblos herab. Dieser Anblick löste auch die Anderen aus ihrer Starre. Blitzschnell waren Nick und AJ umringt.
Shannon tastete den Adler vorsichtig ab. Er atmete noch und es waren allem Anschein nach keine Knochen gebrochen. Noch gab es also Hoffnung.
"AJ, ich brauche meinen Rucksack. Howie, Brian, im Auto sind ein paar Decken und AJ's Tasche. Holt sie her. Nick, bring ihn da rüber. Da habe ich Raum und Licht. Bruder, ich brauche deine Spürnase. Ich glaube es ist der dürre Kerl, der nicht laufen kann."
Alle liefen los.
Akela rannte zurück zu dem Mann, der versucht hatte Shannon zu verhexen. Er packte ihn an der Jacke und zerrte ihn zu Shannon.
Gabriel schleifte inzwischen den Kopf der Bande zu dem Bewusstlosen, den Nick niedergestreckt hatte. Auch der bekam Handschellen verpasst. Danach griff Gabe sich sein Handy und informierte die Organisation.

Shannon hatte sich einen Platz gesucht, wo sie arbeiten konnte. Hier war der Boden für ihre Zwecke geeignet. Heftig kickte sie ein paar Kiesel aus dem Weg.
Völlig außer Atem kamen Howie, Brian und AJ zurück. Shannon breitete mit ihrer Hilfe eine der Decken aus, winkte Nick zu sich und half ihm, Kevin vorsichtig darauf abzulegen und zuzudecken.
"Bleib hier bei ihm und halt ihn warm. Ich muss zuerst den Dämon beschwören." wies sie ihn an.
Nick nickte unter Tränen. Der Kopf des Adlers ruhte auf seinem Oberschenkel, die goldenen Augen starrten blicklos ins Leere.
Kevins Zustand bereitete Shannon große Sorgen. Die Kugel hatte ihn nur am Flügel gestreift, aber der Schock saß tief. Sie musste schnell handeln, wenn sie sein Leben noch retten wollte. Eilig schnappte sie sich eine Messingschale aus ihrem Rucksack und drückte sie AJ in die Hände.
"Ich brauche Blut von dem Kerl, den Akela in Schach hält. Ein paar Tropfen genügen mir, aber er kann ruhig noch weiterbluten." erklärte sie ihm mit grimmigem Gesicht. AJ nickte zustimmend.
Shannon bereitete die Beschwörung vor. Auf Knien zog sie mit Kreide einen Kreis auf den Boden und zeichnete die Runen hinein, die sie im Heizungskeller des Hotels gesehen hatte. Dazu fügte sie die Rune der Reinheit, ihr Zeichen für weiße Magie. Sie füllte eine Schale mit verschiedenen Kräutern aus ihren Ledersäckchen und stellte sie in die Mitte des Kreises. Aus dem Schrei, der hinter ihr erklang, entnahm sie, dass AJ jeden Augenblick wieder bei ihr sein musste. Rasch stellte sie fünf Kerzen auf den Kreis, zwei rote und drei weiße.

AJ hatte sich schon richtig gefreut auf diesen Job. Zusammen mit einem sauer wirkenden Brian und Howie, dem der Mann leid zu tun schien, ging er zu dem Hexer.
Akela spielte mit ihm. Jedes Mal wenn der Mann auch nur blinzelte zuckte der lauernde Wolf, als wolle er ihm an die Kehle gehen. Und er genoss es. Schließlich kam es nicht oft vor, dass sein Opfer ihn sehen konnte. Als die Jungs näher kamen, ließ er von ihm ab und lief zu Shannon.
AJ bedeutete den Anderen den Hexer festzuhalten.
"Okay Meister, ich brauche jetzt mal ein bisschen Blut von dir."
"Ihr könnt mich nicht zwingen! Ich kenne meine Rechte!" winselte der Mann.
"Genau. Du hast das Recht zu bluten. Alles was du sagst wird dir hinterher leid tun. Und einen Anwalt kriegst du eh nicht." AJ platzierte ihm eine gerade Rechte mitten ins Gesicht. Die Nase brach und Blut quoll hervor. In aller Seelenruhe hielt AJ die Messingschale darunter, während der Hexer anfing zu schreien.

"Und? Blutet er noch?" fragte Shannon, als AJ ihr die Schale reichte.
AJ grinste zur Antwort.
Shannon nahm das Zeremonienmesser, ritzte sich den Daumen und ließ einige Tropfen ihres Blutes ebenfalls in das Gefäß fallen. Dann stellte sie es vor sich in den Kreis und atmete durch.
"Kann ich sonst noch was tun?" erkundigte sich AJ.
"Ja. Sorg dafür, das keiner näher als auf zehn Meter an mich herankommt. Machst du das?"
"Klar." AJ zog sich zurück.
Dann fangen wir jetzt an Schwesterchen? fragte der inzwischen wieder unsichtbare Wolf.
"Ja, Bruder. Wir fangen an."
Shannon konzentrierte sich. Die erste Kerze begann zu glimmen, dann entzündete sie sich. Als hätte sie eine Kettenreaktion ausgelöst, fingen plötzlich alle Kerzendochte Feuer. Aus der Kräuterschale stieg feiner Rauch auf. Mit heller Stimme begann Shannon einen Singsang zu intonieren. Sie wurde lauter und gebieterischer und brach dann abrupt ab. Im Kreis vor ihr, genau über der rauchenden Schale, bildete sich ein dichter Nebel, aus dem sich allmählich ein Gesicht herauskristallisierte.
Der Dämon wirkte wenig überrascht. Er verzog sein Gesicht zu einer geringschätzigen Grimasse.
"Ich habe ihnen ja gesagt, dass das unmöglich funktionieren kann." erklärte er mit rauer Stimme.
"Dann warst du wohl schlauer als sie." erwiderte Shannon, "Und du solltest weiterhin so schlau sein. Gib es mir."
"Was hätte ich armer Dämon schon, was dich interessieren könnte, Gebieterin?" fragte er erstaunt.
"Du weißt ganz genau was ich will! Gib es mir, oder ich schwöre du wirst es bereuen! Meine Geduld ist für heute erschöpft!"
"Herrin, ich weiß doch wirklich nicht, was du..." Shannon streckte die Hand vor und warf ein bisschen Pulver in die Messingschale, über der er schwebte. Eine Stichflamme zuckte hoch und leckte über sein Gesicht. Entsetzt kreischte der Dämon auf.
"Oh, bitte Allmächtige! Ich gebe dir alles was du verlangst! Nur tu das bitte nicht noch einmal!"
"Dann gib es mir endlich! Ich habe keine Zeit für Spielchen!"
Er verzog gequält das Gesicht. Dann klirrte etwas in die Blutschale und er verschwand.
Shannon löschte mit einer Handbewegung die Kerzen und Kräuter und griff in das Gefäß vor ihr. Das Blut war restlos verschwunden. Dafür lag ein Silberkettchen mit Anhänger darin. Shannon hob ihn hoch und hielt ihn ins Licht. Der Anhänger stellte eine Musiknote dar. Shannon stand auf und ging zu Nick, ihren Rucksack geschultert.
"War er das?" wollte Nick wissen.
"Ja. Kennst du das?" Sie hielt ihm die Kette hin.
"Die gehört Kevin. Woher hast du sie?" fragte er erstaunt.
"Du gehst jetzt bitte zu den Anderen. Ich möchte nichts riskieren." Shannon kniete sich neben den Adler und hängte ihm die Kette um. Zögernd stand Nick auf. Shannon sah ihn an und drückte kurz seine herabhängende Hand. Dann begann sie erneut mit ihren Vorbereitungen. Nick strich dem Adler noch einmal über das Gefieder, wandte sich dann ab und ging.
AJ, Brian und Howie begrüßten ihn mit einer tröstlichen Umarmung. Sie hatten der Beschwörung von Weitem zugesehen. Und jetzt sahen sie, wie Shannon erneut einen Kreis zog. Diesmal um einiges größer.
"Was hat sie von dem Dämon gewollt?" erkundigte sich Brian.
"Ich weiß nicht genau. Sie hat kaum was gesagt. Aber sie hat mir eine Kette gezeigt. Kevins Silberkette mit dem Notenanhänger. Er hatte ihn doch vor einigen Tagen verloren, wisst ihr noch?"
Gabriel trat zu ihnen. Er hatte jetzt auch den Schwarzmagier zu den Anderen verfrachtet und gefesselt.
"Shannon hat von dem Dämon das zurückgeholt, was der Typ mit dem Nasenbluten ihm gegeben hatte. Der Dämon brauchte etwas persönliches von eurem Freund, um die Verwandlung durchführen zu können. Und um sie umzukehren musste Shannon es erst wieder zurück haben." erklärte er den Jungs.
"Sie war so komisch. Ist mit ihr alles in Ordnung?" fragte Nick besorgt.
"Normalerweise macht eine Hexe solche Beschwörungen in ihrem Zirkel, also in einer Gruppe von mindestens vier. Shannon verausgabt sich psychisch, wenn sie es allein macht, aber sie wird es schon schaffen. Sie ist die stärkste Hexe, die wir in der Organisation haben." beruhigte ihn Gabe.
"Wenn sie es schafft Kevin zu retten, kriegt sie von mir alles was sie will." behauptete Nick leidenschaftlich. AJ legte seinen Arm um Nicks Schultern und drückte ihn an sich.
"Von uns allen Kleiner. Von uns allen."

Kevins Herzschlag war deutlich schwächer geworden. Shannon hatte Angst. Sacht strich sie ihm über das Gefieder. Sie hatte ihn aufgedeckt und die Schwingen ausgebreitet. Alles zur Vorsicht. Akela saß geduldig neben ihr. Sie musste erst wieder in die Verfassung kommen Kevin zu helfen. Der Dämon hatte sie doch einiges an Kraft gekostet und sie war innerlich aufgewühlt. Der Kreis um sie drei war gezogen, die Runen geschrieben, die Schutzzauber hatte er verstärkt. Jetzt musste er nur noch seine kleine Hexe beruhigen.
Er hat versucht dir das Leben zu retten, nicht wahr?
Ja. Als der Anführer auf mich schoss, ging er sofort zum Angriff über. Und vorher hatte er schon Gabe und die Anderen verteidigt. Und das in einer Gestalt, die ihm alles andere als vertraut ist. Ich hätte nie gedacht, dass er versuchen würde uns zu helfen. Andererseits hätte ich damit wohl rechnen müssen. Ich habe doch soviel über die Backstreet Boys gelesen und über Kevins Verantwortungsgefühl. Es ist meine Schuld wenn er stirbt.
Rede keinen Unsinn. Selbst wenn du ihn in den Van gesperrt hättest, ich wette er hätte es geschafft daraus auszubrechen. Ich habe heute in der kurzen Zeit eine ziemliche Hochachtung vor ihm entwickelt. Kevin lässt sich von nichts und niemanden aufhalten, denke ich. Ich hätte dich vorhin retten sollen, weißt du das? Ich war einfach zu langsam. Ich hätte den Kerl überwältigen müssen, bevor er Kevin überhaupt im Visier hatte. Wenn er stirbt bist nicht du Schuld, sondern ich.
Weißt du noch, was Mama immer sagte? 'Solange noch Leben ist, ist noch Hoffnung.'
Deine Mutter war eine kluge Frau, Kätzchen.
Lass uns endlich anfangen, Bruder. Sonst stirbt heute Nacht der Leitwolf der Backstreet Boys.
Ein Rudel, auf das man stolz sein kann. stimmte Akela zu.
Shannon und der Wolf setzten sich einander gegenüber, den Adler zwischen sich. Shannon versank in einer Tieftrance und setzte ihre Macht frei, die von Akela gebündelt und verstärkt wurde. Das Hexenlicht an den Kränen erlosch schlagartig und die einzige übriggebliebene Lichtquelle war die kompensierte Energie, die zwischen Hexe und Geisthelfer floss. Langsam senkte sich der Lichtbogen und umspülte die Gestalt zwischen ihnen. Behutsam zupfte er an Gefieder und Klauen, maß und wog, bis er nicht mehr um sie herum, sondern durch sie hindurch flutete.
Ein plötzliches Gleißen, das sämtliche Zuschauer blendete, und es war vorbei. Die Baustelle versank in totaler Dunkelheit.


6.Kapitel

Schwester?.......Shannon, bist du in Ordnung?......Bitte sag was..... bat Akela sanft.
"Es geht mir gut." flüsterte Shannon. Mühsam streckte sie eine Hand aus und rief ein Hexenlicht herbei. Es war winzig und flackerte wie eine Kerzenflamme auf ihrer zittrigen Hand. Sie sah Akela, der sich vor sie gestellt hatte, in die Augen. Er tastete vorsichtig nach ihrem Geist und ließ seine Liebe und Wärme in sie fließen. Dankbar streichelte sie mit ihrer freien Hand über sein Fell. Ihr Zittern ließ etwas nach.
"Wir müssen nach Kevin sehen, mein Schatz." murmelte sie erschöpft.
Der Wolf trat zur Seite und gab den Blick auf einen dunklen Umriss frei. Shannon war zu müde um aufzustehen und krabbelte auf allen Vieren zu ihm. Da lag Kevin, als Mensch, der Länge nach ausgestreckt, die Arme angewinkelt, den Kopf zur Seite gedreht. Die kalte Luft strich über seinen bloßen Rücken. Das kleine Licht ließ seine Kette und die Ohrringe glitzern.
Shannon beugte sich über ihn, tastete an seinem Hals nach dem Puls und atmete erleichtert auf. Sein Herz schlug kräftig und regelmäßig. Behutsam strich sie ihm das dunkle Haar aus der Stirn.
Er sieht aus wie ein dunkler Engel. Er ist schön, nicht wahr?
Du bist völlig erschöpft, Schwesterchen. Deine Gefühle spielen ein bisschen verrückt. Lass uns darüber reden wenn du ausgeruht bist. Und wenn er nicht zuhören kann.
Du hast recht.
Akela spürte, wie Shannon ihre ganze Kraft zusammen nahm und sich abschirmte. Sofort wurde ihre Miene entspannter. Sie nahm eine zweite Decke und legte sie Kevin über. Im nächsten Moment stöhnte er leise, schlug die Augen auf und hob den Kopf.
Und seine Augen nahmen Shannon sofort gefangen. Sie konnte nichts weiter tun als hineinsehen. Kevin erging es nicht anders. Erstaunt stellte Akela fest, dass zwischen den Beiden etwas vorging das weit unterhalb des Bereiches lag, den er mit Shannon teilte. Erschreckt fuhr Shannon zusammen und brach den Blickkontakt ab.

"Shannon?" rief Gabriel beim Näherkommen. Er suchte sich seinen Weg mit Hilfe einer Taschenlampe und hatte die Jungs im Schlepptau.
"Kevin!" schrie Nick und stürzte sich auf den Älteren.
"Hey, Nicky! Lass uns auch noch was übrig!" beschwerte sich AJ und stürmte mit den Anderen hinter ihm her.
Shannon stand mühsam auf und trat in die Dunkelheit. Das Hexenlicht ließ sie zurück.
Akela warf Kevin, der mit ernstem Gesicht hinter ihr hersah, einen Blick zu und folgte ihr.
"Mann, Kev! Wir dachten schon, wir würden dich verlieren!" erleichtert schloss Brian seinen Cousin in die Arme.
"Ja, deine Nörgelei hätte uns echt gefehlt!" lachte AJ.
Nick umklammerte Kevins Hand, als hätte er Angst er könne sich in Luft auflösen.
"Na, so leicht werdet ihr mich aber nicht los. Wir haben schließlich noch was vor."
"Eine ganze Menge!" stimmte Howie ihm zu. Er strahlte über das ganze Gesicht.

"Shan? Ist alles in Ordnung?"
"Ja, alles klar!" hastig wischte Shannon sich die Tränen aus dem Gesicht.
Gabe leuchtete sie mit der Taschenlampe an. "Das sieht mir aber gar nicht danach aus."
"Es geht mir gut, wirklich."
"Genau. Und Akela ist ein Fisch und schwimmt im Rhein. Wem versuchst du hier etwas vorzumachen? Ich kenne dich doch wirklich lange genug."
"Bitte Gabe, ich möchte jetzt nicht darüber sprechen. Bitte versteh mich."
"Na gut. Wir werden später reden. Darauf kannst du dich verlassen. Ich habe übrigens vorhin die OCRSI angerufen. Sie müssten in etwa einer Stunde hier sein."
"Dann kann ich ja schon mal anfangen aufzuräumen."
Shannon ging zum ersten Kreidekreis und suchte ihre Sachen zusammen. Über ihrer Schulter schwebte ein neues Hexenlicht. Gabriel sah ihr besorgt nach und schüttelte den Kopf.

Aufgewühlt erzählten die Jungs Kevin von dem Dämon, seiner Kette und von dem Lichtfluss, der ihn eingehüllt hatte. Er hörte fasziniert zu. Dann warf Nick ein, dass Shannon ihn vorher, als er abstürzte, aufgefangen habe und sie zuerst geglaubt hatten sie beide seien tot. Und Brian erzählte von dem riesigen Wolf, der fast einen Menschen zerfleischt hätte. Kevin schmunzelte bei diesem Bericht, denn Brian machte Akela zweimal so groß wie er wirklich war. AJ hatte Kevin seine Sachen gebracht und der hatte dankbar Schuhe und Pullover angezogen. Die Jacke hatten Brian und Howie leider im Wagen vergessen, aber es waren genug Decken da, so das Kevin nicht fror.
Während der aufgeregten Berichte sah er immer wieder zu Shannon hinüber, die ihre Sachen im Rucksack verstaute. Howie bemerkte das und ging schließlich zu ihr.
"Sag mal Shannon, möchtest du mit uns zu Abend essen?"
Sie sah überrascht auf. "Ich weiß nicht, Howie. Ich glaube, ich möchte nicht irgendwohin gehen zum Essen. Nicht mal ins Hotelrestaurant. Ich werde mir wohl was auf mein Zimmer bestellen."
"Die Jungs wollen bestimmt auch nichts mehr unternehmen heute. Wir könnten uns doch zusammen vom Zimmerservice Pizza bringen lassen."
"Das ist keine gute Idee. Eure Fans und die Bodyguards werden bestimmt was dagegen haben."
"Wer fragt die denn?" meinte AJ, der hinter Howie auftauchte.
"Genau, wir schmuggeln dich einfach so rein, wie wir Kev rausgeschmuggelt haben." lachte Brian.
"Meine Jacke ist noch frei." ergänzte Kevin leise.
Shannon wagte nicht ihn anzusehen.
"Komm doch mit. Bitte!" bettelte Nick.
Hab ich schon erwähnt, dass ich vor Hunger eingehe? schloss sich Akela der Mehrheit an.
Das ist echt nicht fair von dir!
Kätzchen, ich bin ein Wolf. Wölfe kennen kein fair play.
"Können wir dann fahren?" wollte Gabriel wissen. Er hatte den Platz nach vergessenen Zauberutensilien abgesucht und die Kreidekreise und Runen unkenntlich gemacht.
Alle sahen erwartungsvoll Shannon an.
"Also gut." gab sie nach.
AJ, Brian und Nick brachen in Jubel aus. Howie und Kevin lächelten nur zufrieden.

Sie verfrachteten ihre drei Gefangenen in den Van, dann überlegten sie wer noch mitfahren sollte da der Wagen nur sechs Personen fasste. Falls die Kerle Schwierigkeiten machen sollten, mussten die Mitfahrenden möglichst kräftig sein. Schließlich einigte man sich auf AJ und Howie, da Kevin sich im Moment nicht grade in Form fühlte. Gabriel hätte die Schwarzmagier am liebsten hinten am Wagen angebunden und hinterher rennen lassen um Shannon mitzunehmen, die sehr blass und erschöpft wirkte. Aber Shannon verbot es ihm kurzerhand. Brian und Nick versprachen ihm hoch und heilig gut auf sie aufzupassen, jedoch befriedigte Gabe auch das nicht. Erst als Shannon ihn an Akelas Anwesenheit erinnerte gab er nach und fuhr los. Der Rest machte sich zu Fuß auf den Weg.
Shannon fror und klapperte leise mit den Zähnen. Es war eine Folge ihrer totalen psychischen Erschöpfung. Kevin bekam das schnell mit und hängte ihr seine Lederjacke um. Dann legte er einen Arm um sie und wickelte seine Decke um sie beide. Zuerst versteifte Shannon sich vollkommen und wurde nur allmählich wieder lockerer. Sie sprachen nicht viel, was zum Teil auf Shannons Zurückhaltung und zum Teil auf ihre Ermüdung zurückzuführen war. Sie fühlte sich wehrlos. Vor allem gegenüber dem Mann neben ihr. Sie hatte noch immer nicht ganz erfasst, was da vorhin zwischen ihnen geschehen war. Und in ihrem Zustand wollte sie es auch gar nicht wissen. Sie war so schrecklich müde...
Als sie endlich den Hinterhof des Hotels erreicht hatten, atmete Shannon erleichtert auf. Sie gingen durch den Heizungskeller, wo Gabriel inzwischen ihre Gefangenen an den Rohren festgekettet hatte. Er wollte hier bleiben und auf die Mitarbeiter der Organisation warten. Howie hatte ihm versprochen seine Pizza herunterzubringen. Als sie in dem Appartement ankamen, das sich AJ und Kevin teilten, hatte AJ schon sieben verschiedene Pizzasorten bestellt. Kevin nahm Shannon behutsam die Jacke ab und half ihr aus dem Mantel. Dann führte er sie zum Sofa und scheuchte Nick zur Seite, damit sie sich in die Ecke setzen konnte. Nick half ihm Shannon zuzudecken. Dann erst ließ Kevin Howie seinen Arm versorgen, wo die Kugel ihn gestreift hatte. Die Jungs gaben sich wirklich Mühe leise zu sein und Shannon döste ein wenig ein.
Sie wurde von Nick geweckt, der sie sacht anstupste und lieb fragte, welche Sorte Pizza sie wollte. Sie nahm die Sorte, die Akela am besten schmeckte, weil sie nicht glaubte viel essen zu können. Aber dann stellte sie fest, wie ausgehungert sie war. Sie aß mit guten Appetit ein zweites und drittes Stück. Beim Vierten bekam Akela Angst, dass er ausnahmsweise leer ausgehen könnte. Aber Kevin stellte seine Pizzaschachtel mit dem letzten Stück auf den Boden und konfiszierte kurzerhand ein Stück bei jedem anderen, bis auf Shannon. Akela war hochzufrieden mit seiner Ausbeute, vor allem weil Shannon die letzten zwei Stücke ihrer Pizza auch nicht mehr schaffte. Während des Essens herrschte eine entspannte Atmosphäre. Die Jungs taten alles um Shannon zu unterhalten, erzählten Witze und Anekdoten und zogen sich ständig gegenseitig auf.
Howie erzählte gerade wie Nick einmal während eines Konzertes von der Bühne gefallen war, als plötzlich im Gang Stimmen laut wurden. Shannon schwante böses. Tatsächlich ging Augenblicke später die Tür auf und der Einsatzleiter der OCRSI stand im Türrahmen. Hinter ihm stand ein frustrierter Gabriel.
"Miss O'Neall, ich muss sie bitten umgehend Ihre Sachen zu packen und mitzukommen."
"Warum. Gibt es einen Notfall?" Shannon hatte sich erhoben, hielt jedoch die Decke weiter um sich fest.
"Nein, aber ich habe die Anweisung Sie umgehend ins Hauptquartier zu bringen, da Ihre Sicherheit hier gefährdet ist."
"Ich habe morgen hier in Köln einen Termin. Ich besuche ein Konzert." murmelte Shannon hilflos.
"Es tut mir leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihre freien Tage aufgrund der aktuellen Lage gestrichen wurden."
Einen Moment herrschte eisiges Schweigen, dann brach die Hölle los.
"Sie können sie doch nicht einfach mitnehmen!" beschwerte sich Howie.
"Ich dachte Deutschland sei ein freies Land!" begehrte Brian auf.
"Sie können ihrem Kartoffelsack von Vorgesetzten sagen, er kann sich Shannon hier abholen. Dann zeigen wir ihm, wie man so was bei uns regelt!" schimpfte Nick.
"Ich hole meinen Baseballschläger!" verkündete AJ und verschwand im Schlafzimmer.
Akela stand knurrend über seinen Pizzastücken, bereit sie bis aufs Blut zu verteidigen.

Kevin rannte hinter Shannon her, die hinausgelaufen war und sich in ihr Zimmer geflüchtet hatte. Durch die geschlossene Tür hörte er sie weinen.
"Shannon? Shan, mach auf! Ich bin es, Kevin!"
Einen Augenblick war es still, dann wurde der Schlüssel im Schloss herumgedreht. Kevin drückte die Klinke herunter, trat ein und schloss die Tür hinter sich wieder ab. Shannon stand am Fenster, mit dem Rücken zu ihm, und weinte lautlos. Ihre Schultern bebten vor unterdrückten Schluchzern. Kevin trat zu ihr, drehte sie herum und nahm sie in die Arme.
"Ssschhhh, ist ja gut. Wir finden schon eine Lösung. Die Kerle können dich nicht einfach mitnehmen. Du bleibst solange du willst." flüsterte er. Er strich ihr sanft übers Haar, dann hob er ihr Kinn an bis sie ihn ansah und küsste sie leicht auf den Mund.
Eigentlich war der Kuss tröstend gemeint, aber er war es nur den Bruchteil einer Sekunde. Überrascht sah Kevin Shannon an, dann streichelte er sanft ihre Wange, ihren Hals. Shannon bemerkte fasziniert, dass Kevins Augenfarbe sich von grün zu braun veränderte. Dann küsste er sie wieder. Und diesmal richtig. Shannon klammerte sich an ihn, weil ihre Knie plötzlich weich wurden. Kevin löste sich von ihren Lippen und holte tief Luft.
"Wir sollten erst das Problem da draußen lösen." erklärte er rau. Aber er schaffte es nicht sie schon loszulassen.
Im nächsten Moment klopfte es an der Tür.
"Miss O'Neall? Kann ich Ihnen beim Packen helfen?"
Kevin stieß einen Fluch aus. Er ließ Shannon langsam los und war mit drei Schritten an der Tür. Er drehte den Schlüssel um und riss sie auf.
"Miss O'Neall wird hier bleiben, solange es ihr gefällt!" sagte er. Seine Stimme war ruhig, klang aber drohend und autoritär.
Der Einsatzleiter zuckte zusammen. Diese Amerikaner schienen alle völlig durchgedreht zu sein. Und der große Dunkelhaarige hier war anscheinend noch gefährlicher als der mit dem Baseballschläger vorhin. Er wich vorsichtshalber einen Schritt zurück.
Der Rest der Backstreet Boys kam den Gang entlang, gefolgt von einem äußerst zufrieden wirkenden Gabriel. AJ ließ den Schläger kreisen, als wäre er auf dem Baseballfeld beim Aufwärmtraining. Die ganze Gruppe, bis auf Gabriel, baute sich neben Kevin in der offenen Tür auf. Ihre Körpersprache war klar: DU kommst hier nicht rein!
"Sind Sie wirklich der Ansicht, dass Miss O'Neall hier in Köln in Gefahr geraten könnte?" fragte Gabe amüsiert.
Der Einsatzleiter sah von ihm zu den grimmig aussehenden Backstreet Boys und zurück.
"Nein." 'Es sei denn, die Gefahr geht von diesen fünf Verrückten aus...' fügte er in Gedanken hinzu.
"Dann teilen Sie das doch bitte im Hauptquartier mit. Auf Wiedersehen." Howies ruhige Art war einfach unschlagbar. Der Einsatzleiter drehte sich um und ging.
Die Backstreet Boys brachen in Jubel aus. Kevin schnappte sich Shannon und wirbelte sie herum.
Ich schätze, das heißt dass wir noch bleiben?
"Ja, Wolf! Ihr bleibt noch!" erklärte Kevin triumphierend. Er hielt Shannon an sich gedrückt, ihre Füße berührten nicht den Boden.
AJ stieß die Anderen an und deutete auf das Paar. Mit einem wissenden Grinsen verließen sie den Raum.


7.Kapitel

Kevin und Shannon verbrachten die Nacht gemeinsam. Sie saßen auf Shannons Bett und redeten lange und ausführlich über Magie, Akela, das Popbusiness, verflossene Freundinnen und Kevins Familie. Shannon sagte über ihre Familie nur, dass ihre Eltern bei einem Autounfall gestorben waren, als sie gerade zwölf war und sie keine Geschwister hätte. Kevin verstand, dass sie nicht darüber reden wollte und wechselte das Thema.
"Wieso konnten die Jungs Akela eigentlich sehen, als er den Anführer der Schwarzmagier angriff?"
"Das war so ähnlich wie bei mir mit dem Hexenlicht, als AJ mich provozierte. Als der Mistkerl auf mich schoss, geriet Akela so in Raserei, das seine Gefühle ihn für eine Weile sichtbar machten. Das passiert äußerst selten."
"Dann gerätst du also nur selten in Lebensgefahr?"
"Die Arbeit, die ich mache, ist unter Umständen sehr gefährlich. Normalerweise, wenn irgendwo etwas übernaturliches passiert, entscheidet die Innere Abteilung ob eingegriffen wird und wie viele am Einsatz teilnehmen sollen, damit das Unternehmen sicher ist. Aber das hätte in deinem Fall zu lange gedauert."
"Ich bin Gott wirklich dankbar, dass du zur Stelle warst. Du bist mein Schutzengel, weißt du das?"
"Ich glaube nicht, dass sich Engel mit Magie abgeben dürfen." Shannon gähnte verstohlen.
"Jetzt halte ich Dummkopf dich doch wirklich vom Schlafen ab. Dabei hast du dich heute bestimmt völlig überanstrengt."
"Halb so schlimm. Das ist nichts, dass nicht mit gutem Essen und erholsamen Schlaf kuriert werden könnte."
Kevin streichelte zärtlich ihre Wange. "Dann werde ich jetzt meinen Teil tun, um dir dabei zu helfen." Er streifte ihr die Schuhe ab, zog sie vom Bett hoch und half ihr den Pullover loszuwerden. Dann zog er sich bis auf Jeans und T-Shirt aus. Zusammen schlüpften sie unter die Decke, Shannon eng in Kevins Arme gekuschelt.
"Ich möchte mal wissen wo Akela heut Nacht schläft." murmelte sie noch bevor sie, mit der Wange an seiner Schulter, einschlief.

Akela, den Bauch vollgeschlagen mit Pizza, sah sich nach einem Schlafplatz um. Shannon wollte er nicht stören, zumal Kevin sehr gut auf sie aufpassen würde. Schließlich entdeckte er Kevins verwaistes Bett und ließ sich mit einem zufriedenen Stöhnen hineinfallen. AJ, der nach einer Weile müde ins Nachbarbett stieg, störte ihn nicht weiter.

Shannon wurde wach, hielt aber die Augen weiter geschlossen. Es dauerte einen Moment bis ihr wieder einfiel was am Vortag geschehen war und wo sie sich befand. Und mit wem. Ganz bewusst sog sie Kevins Duft ein, dann öffnete sie die Augen. Er schlief noch. Seine Arme lagen noch immer um ihren Körper. Es war ein warmes und irgendwie vertrautes Gefühl. Shannon konnte sich nicht erklären wieso, denn das letzte Mal hatte sie mit sechs Jahren in den Armen von jemandem geschlafen. In denen ihrer Mutter.
Sie betrachtete Kevin. Im Schlaf hatte er das Gesicht eines verletzlichen Jungen, nicht das eines fünfundzwanzigjährigen Popsängers. Daran änderten auch die dunklen Bartstoppeln nichts. Mit einem Finger fuhr Shannon sacht den Schwung seiner hohen Wangenknochen nach. Sie hatte recht gehabt. Er sah aus wie ein dunkler Engel. Ein Mann, wie sie noch keinen gesehen hatte. Schön, klug, verantwortungsvoll, mutig.
Kein Mann für Shannon O'Neall.
Er war ein Popstar, reiste um die Welt, war berühmt und erfolgreich.
Sie war eine Hexe, Medium, und so weiter und so fort. Sie hatte eine Verpflichtung gegenüber der Organisation. Schulden die sie, so lange sie lebte, nicht würde abtragen können. Sie konnte ihren Job nicht aufgeben. Nicht mal für einen Mann den sie liebte. Was da gestern zwischen ihnen geschehen war, dieses Wiedererkennen der Seelen, schön und erschreckend zugleich, dem durfte sie einfach nicht nachgeben. Sie war als Magierin geboren worden. Als Beschützerin der ahnungslosen Menschheit vor übernatürlichen Gefahren. So hochtrabend sich das anhörte, so wahr war es.
Und Kevin war zum Singen geboren. Wie jeder der Jungs. Er würde seine Karriere nicht aufgeben, um mit einer Hexe von Beschwörung zu Beschwörung zu ziehen. Aus diesem Grund hatten er und seine letzte Freundin Kristin ihre Beziehung beendet. Er ging auf Tournee durch das ferne Germany und sie fuhr nach New York, um ihre Karriere als Tänzerin voranzutreiben.
So weh es Shannon auch tat, sie durfte diesen Mann nicht wiedersehen. Wie auch, bei ihren Terminplänen? Nach dem Konzert heute Abend wäre das vorbei. Sie hatte nur noch diesen einen Tag. Einen Tag zum Träumen.

Als Kevin erwachte war das Bett neben ihm leer. Einen Augenblick fürchtete er, er hätte alles nur geträumt. Aber dann erkannte er das Zimmer wieder und hörte nebenan die Dusche laufen. Er sah auf seine Uhr. Es war schon nach elf. Der gestrige Tag hatte ihn scheinbar doch mehr mitgenommen, als er gedacht hatte. Oder hatte er so lange geschlafen weil er nicht allein im Bett gelegen hatte? Es war schon etwas her, dass sich eine Frau im Schlaf an ihn gekuschelt hatte. Er lächelte und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Mit Shannon musste er sehr behutsam vorgehen. Die Art wie sie sich bei seiner ersten Berührung versteift hatte ließ ihn ahnen, dass sie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hatte. Und ihre zögernden ungeübten Küsse... Kevin seufzte leise. Shannon war zweifellos eine Frau, die ihn in den Wahnsinn treiben konnte. Sie wirkte so süß, fast kindlich. Sie weckte in ihm sämtliche Beschützerinstinkte. Aber auch sein Verlangen.
Kevin stand auf und zog sich seine Schuhe an. Wenn Shannon jetzt duschte, sollte er das vielleicht drüben in seinem Zimmer auch machen. Blitzschnell schoss die Vorstellung ihres nackten Körpers unter dem warmen Wasserstrahl durch seinen Kopf. Er ging wohl besser KALT duschen...

Als Kevin sein Schlafzimmer betrat, räkelte sich Akela noch immer auf seinem Bett. Kevin stellte sich vor ihn, die Hände in die Seiten gestützt.
"Du weißt ja, dass das mein Schlafplatz ist?"
Na und? Schließlich hast du auf meinem geschlafen. Aber wie du riechst hat es dir nichts genützt.
"Ich schlafe nicht nach dem ersten Date mit meiner Verabredung, wenn du das meinst."
Dazu wäre es bei Shannon sowieso nicht gekommen. Sie fasst nur sehr langsam Vertrauen zu Männern, die sie sexuell anziehen. Deine Verbindung mit ihr bringt dich da einen großen Schritt weiter.
"Was für eine Verbindung meinst du?"
Na, das was gestern mit euch passiert ist, nachdem wir dich zurückgeholt hatten. Oder dachtest du das hättest du geträumt?
Geschockt ließ Kevin die Arme sinken. Jetzt, wo Akela davon sprach, erinnerte er sich an dieses merkwürdige Gefühl, das ihn beim Blick in Shannons Augen überkommen hatte.
"Sie hat mich verhext!" flüsterte er bestürzt.
Ihr habt euch wohl eher gegenseitig verhext, oder glaubst du, dass es nur dich getroffen hat? Mein lieber Junge, lass dir von einem, für natürliche Verhältnisse uralten, Wolf mal was sagen. So eine Seelenverwandtschaft wie ihr beide sie erfahren dürft ist ein Geschenk. Aus ihnen erwachsen die stärksten Verbindungen. Ich würde eine meiner Pfoten dafür geben sie einmal zu erleben.
Kevin starrte den Wolf sprachlos an.
Und jetzt geh endlich duschen, verdammt. Shannon mag saubere Männer.

Shannon verließ ihr Zimmer in einem Aufzug den sie nur sehr selten wählte, da die Blicke der Männer, wenn sie solche Sachen trug, ihr oft Angst einjagten. Aber heute hatte sie fünf junge Männer zu ihrem Schutz dabei, wie sie hoffte. Sie fühlte sich seltsam frei und euphorisch wie sonst nur, wenn Gabriel sie in vertrauter Runde zu einem Schluck Wein aus seinem Glas überredete. Sie war heute jemand anderes. Und das nur durch einen engen dunkelgrünen Rollkragenpullover und eine ebenso geschnittene beige Hose. An den Füßen trug sie schwarze Stiefel mit flachem Absatz, da sie mit hohem nicht laufen konnte. Außerdem hatte sie sich dezent geschminkt.
In dieser Verkleidung, denn als das erschien es ihr fast, klopfte sie an Kevins Tür.
Kevin öffnete und sah sie einen Moment verblüfft an. Dann breitete sich ein strahlendes Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er ließ sie rein, nahm sie bei der Hand und drehte sie einmal um die eigene Achse.
"Du siehst toll aus!" erklärte er begeistert.
Shannon wurde rot und sah zu Boden, doch sofort hob Kevin ihr Kinn an und sah ihr in die Augen. Und dann hauchte er einen Kuss auf ihre Lippen.
Shannon hatte Mühe danach einen klaren Gedanken zu fassen, bis sie einen grinsenden Wolf auf der Schwelle zum Schlafzimmer entdeckte.
"Hast du etwa hier geschlafen?" fragte sie ihn erstaunt.
Na, wenn mein Platz schon besetzt ist, muss ich sehen wo ich unterkomme.
Wieder wurde Shannon rot, weil ihr klar wurde dass alle wussten, dass Kev und sie in einem Bett geschlafen hatten. Und sie würden falsche Rückschlüsse ziehen.
Sie drehte sich zu Kevin um, der gerade ein Hemd über sein T-Shirt zog. Ihn schien die Vorstellung, die Anderen könnten vermuten dass sie Sex gehabt hatten, nicht zu stören. Er fing ihren besorgten Blick auf und runzelte die Stirn.
"Was ist denn los?" Mit zwei Schritten war er bei ihr und nahm sie in den Arm. Sanft strich er ihr übers Haar und den Rücken. Shannon seufzte leise und schloss ihre Augen. Wie sehr wünschte sie sich, es könnte immer so sein. Sie schlang die Arme um ihn und zog ihn näher zu sich heran. Sie fühlte, wie er sie mit der Nase am Ohr stupste, dann knabberte er leicht an ihrem Ohrläppchen. Sein Mund wanderte tiefer und erreichte die Stelle wo ihr Puls schlug. Ganz kurz spürte sie seine Zähne an ihrem Hals, dann fuhr er mit der Zunge über die Stelle. Shannon stöhnte auf und löste sich von ihm. Ihre Beine fühlten sich an wie Götterspeise und der sehnsüchtige Blick aus Kevins dunklen Augen ließ sie fast in die Knie gehen.
Kevin fing sich mühsam. Er hätte schon wieder kalt duschen mögen, aber er riss sich zusammen. Allem Anschein nach hatte er es etwas überstürzt, aber er schien einfach nicht in der Lage zu sein die Finger von ihr zu lassen. Er schüttelte den Kopf um ihn wieder klar zu bekommen.
"Ich ziehe mir kurz meine Schuhe an und dann sehen wir mal, wo sich die Anderen herumtreiben." schlug er vor. Shannon nickte zustimmend, allerdings etwas abwesend, ohne ihn anzusehen.

Der Rest der Backstreet Boys hatte sich in den Zimmern versammelt, die sich Nick und Brian teilten. Die Beiden traten gerade bei einem Videospiel gegeneinander an, so dass AJ die Tür öffnete. Bei Shannons Anblick fiel ihm die Kinnlade runter, aber er fasste sich schnell.
"Hey, Schätzchen. Jetzt sieht man richtig wie alt du bist."
"Oh, AJ! Immer für ein Kompliment gut!" meinte Kevin ironisch.
AJ bekam rote Ohren.
"Macht nichts. Ich weiß ja wie es gemeint war." beruhigte Shannon und gab AJ zur Begrüßung einen Kuss auf die Wange.
Howie kam als nächster an die Reihe und wurde liebevoll gedrückt.
"Hey! Wenn jetzt Gruppenschmusen ansteht, bin ich aber der Nächste!" beschwerte sich Nick, der es doch tatsächlich geschafft hatte sich von dem Game loszureißen. Er war mit einem Satz bei ihr und drückte sie fest an sich. Brian stellte sich daneben.
"Weg da, Kleiner. Ich will abklatschen." Er drückte Shannon genauso fest wie Nick. Dann nahm er sie an der Hand und zog sie zum Tisch.
"Wir haben uns was überlegt für dich. Sozusagen als Anzahlung einer Wiedergutmachung. Schließlich hättest du gestern eigentlich Urlaub gehabt." Er drückte ihr ein Päckchen in die Hand.
Überrascht sah Shannon in die Runde.
"Na los! Mach schon auf!" drängte Nick.
Vorsichtig riss Shannon das Papier auf. Zum Vorschein kam ein Handy.
"Da sind die Nummern von uns fünf drauf eingespeichert. Falls du dich mal nicht so fühlst, kannst du jeden von uns jederzeit anrufen." platzte AJ heraus.
"Und um die Kosten musst du dir auch keine Sorgen machen. Die Rechnungen gehen an uns." ergänzte Howie.
"Das ist das schönste Geschenk, das ich seit sehr langer Zeit bekommen habe." presste Shannon mit tränenerstickter Stimme heraus.
Ganz solidarisch wurden Kevin und Brian ebenfalls die Augen feucht.
"Oh, unsere Kentucky-Heulsusen wieder!" überspielte AJ seine Rührung und bekam für seine Frechheit Nicks Ellenbogen ins Kreuz.
"Bevor hier jemand ernsthaft Schaden nimmt, sollten wir vielleicht lieber zum Essen runtergehen." schlug Howie vor.

Das Mittagessen im Hotelrestaurant verlief ähnlich unterhaltsam wie das Abendessen des Vortages. Shannon war in dieser Männerrunde entspannter, als sie es je für möglich gehalten hätte. Es wurde viel gelacht und Shannon gab auch ein paar Witze zum Besten. Als den Bodyguards auffiel dass eine Person zu viel an dem Tisch der Backstreet Boys saß, logen die Jungs ohne rot zu werden sie sei Reporterin bei einer bekannten Jugendzeitschrift. Interessanterweise erkannten die Leibwächter in Shannon nicht das Mädchen wieder, das sie am Tag vorher von den Jungs hatten fernhalten wollen. Und dies war Anlass für neue Erheiterung.
Akela saß während des Essens unter dem Tisch und bekam von allen Seiten Leckerbissen zugeschoben. Selbst AJ ließ sich nicht lumpen. Der Wolf war mit sich und der Welt im Reinen.
Nach dem Essen forderte Nick Shannon zu einem Computerspiel heraus. Er glaubte leichtes Spiel mit ihr zu haben und gewann tatsächlich. Als Shannon eine Revanche forderte und dazu Tetris vorschlug, rieb er sich schon insgeheim die Hände. Aber seine Freude schlug in Unglauben um, als er erkannte wie gut Shannon in dem Spiel war. Unter dem Gejohle der Anderen verlor Nick höher als er es für möglich gehalten hätte. Brian gratulierte ihm zum schlechtesten Spiel, das er je abgeliefert hatte. Nick schmollte. Allerdings nur so lange bis Shannon ihm einen Kuss auf die Wange drückte und versprach, keinem seiner Fans davon zu erzählen.
Die Zeit ging viel zu schnell vorbei und bald mussten sie sich auf den Weg in die Halle machen. Da Shannon bei den Bodyguards als Reporterin bekannt war, ließen sie sie problemlos mit den Jungs mitfahren. In der Halle hängte ihr Kevin seinen Backstage-Pass um. Er hatte jetzt allerdings Schwierigkeiten damit selber an einem Sicherheitsmann vorbeizukommen, der die Jungs noch nicht kannte. Schließlich erbarmte sich Howie und lotste ihn durch, während die Anderen danebenstanden und sich schier totlachen wollten. Kevin schwor blutige Rache.
Shannon ging für eine Weile mit Akela aus der Garderobe, solange die Jungs sich umzogen. Fasziniert beobachtete sie Sicherheitskräfte und Ordner mit Headsets, die immer wieder neugierige Fans abwehrten und Eindringlinge hinauswerfen mussten. Sie selbst wurde immer wieder kurz gemustert und nach einem Blick auf den Pass vorbeigelassen. Teilweise herrschte hier ein ohrenbetäubender Lärm. Shannon fand die Türen, die auf die Rückseite der Bühne führten. Verstohlen warf sie einen Blick auf das Publikum. Tausende junge Mädchen standen da, schrieen durcheinander oder forderten in Sprechchören den sofortigen Auftritt ihrer Lieblinge. Shannon war froh, nicht mit in diesem Gedränge zu stehen. Es war nicht so, dass sie so wenig Fan war. Vielmehr fühlte sie sich zu erwachsen, um mit Ohnmachtsanfällen ihre Zuneigung zu ihren Idolen unter Beweis zu stellen.
Der Wolf neben ihr jaulte leise.
Ich mag diesen Menschenauflauf nicht. Und gekocht oder am Spieß mag ich sie auch nicht.
"Deine Witze werden auch immer flacher."
Tja, ich werde alt.
Jetzt lachte Shannon doch. Sie machten sich auf den Rückweg zur Garderobe.
Die Jungs waren dabei sich warm zu machen. Jeder von ihnen trug ein Handtuch um den Hals gewickelt. Howie trank Tee, AJ hielt ein Stück Papier an der Wand, indem er dagegen pustete und Kevin lief herum, wie ein Tiger in seinem Käfig.
"Lampenfieber." flüsterte Brian ihr verschwörerisch zu. Dann lachte er und warf einen Miniaturbasketball in einen Miniaturkorb. Als nächstes ärgerte er Nick, indem er so tat als hätte man ihn am Handtuch erhängt. Nick schlug nach ihm und widmete sich seinen Schuhen, deren Schnürbänder jemand verknotet hatte. Shannon erkannte die Knotentechnik der Pfadfinder und hatte sofort Kevin in Verdacht. Der hatte sie inzwischen entdeckt und kam auf sie zu.
"Gibst du mir einen Kuss mit? Als Glücksbringer?" bat er mit dunkler sexy Stimme.
"Ist das nicht gefährlich für deine Stimmbänder, so kurz vor dem Auftritt?" erwiderte sie heiser.
"Ich denke es ist viel gefährlicher wenn ich dich während des Auftritts im Publikum entdecke und meinen Text vergesse, weil ich dir zu tief in die Augen geschaut habe." flüsterte er ihr ins Ohr. Shannon lief ein Schauer über den Rücken. Sein Mund berührte ihre Lippen. Es war wie ein sanftes Streicheln. Dann hob er den Kopf und sah sie an. Shannon hielt sich an Kevin fest, weil ihre Knie plötzlich drohten nachzugeben. Er lächelte zufrieden. Shannon argwöhnte, dass er genau wusste was er in ihr auslöste. Sobald sie konnte ließ sie ihn los.
"Krieg ich auch einen Kuss?" fragte Nick schüchtern.
Shannon gab jedem einen und drückte alle Jungs an sich. Wie in Deutschland üblich, wünschte sie ihnen Hals und Beinbruch. Sie gingen hinter die Bühne. Dort stellten sie sich im Kreis auf und Kevin sprach ein Gebet. Dann legten die Jungs ihre Hände übereinander und nach einem "One, two, three, Backstreet!" liefen sie auf die Bühne, wo frenetischer Jubel sie empfing.
"Miss O'Neall?" Shannon fuhr herum.
"Kevin bat mich Sie zur VIP-Loge zu bringen." erklärte ihr der Bodyguard der vor ihr stand. Er führte sie durch zwei Türen, dann waren sie in der Halle, direkt links von der Bühne. Der Leibwächter bot Shannon mit einer Geste einen Sitzplatz an. Bei dem Lärm, der hier herrschte, hätte sie ihn auch nicht verstanden, wenn er gesprochen hätte. Er nahm hinter ihr Platz.
Die Jungs performten "we've got it going' on" und schoben dann direkt "let's have a party" hinterher. Die Menge tobte und Shannon ließ sich mitreißen. Sie schrie nicht herum, aber sonst machte sie begeistert mit.
Nachdem die Jungs das Publikum sichtlich außer Atem begrüßt hatten, ging es ruhiger weiter. Sie nahmen sich die Zeit, Kontakt mit den Mädchen aufzunehmen. Sie winkten, warfen Kusshände und tauchten auch immer wieder bei Shannon auf, um ihr verschwörerisch zuzugrinsen. Shannon war so nah am Ort des Geschehens, wenn sie zugleich mit den Jungs die Hand ausgestreckt hätte, hätten sie einander berührt. Und als Kevin kam, taten sie das auch.
Als letztes Lied brachten sie "quit playin' games". Brian trat an den Bühnenrand und bat um Ruhe.
"Wir widmen diesen Song heute einem ganz besonderen Menschen, der uns kürzlich durch große Schwierigkeiten hindurchgeholfen hat!" erklärte er den Fans.
Er sah kurz zu ihr rüber und begann dann zu singen. Shannon schmolz dahin. Sie hatten ihr Lieblingslied erwischt.
Der Abend ging viel zu schnell zu Ende, darin war sich Shannon mit den anderen Fans einig.


8.Kapitel

Ihr Traum war vorbei. Jetzt war es Zeit aufzuwachen. Die Jungs besprachen kurz etwas und Shannon war so lange in ihr Zimmer gegangen. Sie packte ihren Koffer, zumindest was sie bis zum nächsten Morgen nicht mehr brauchte. Dabei fand sie Kevins Pullover. Sie strich mit der Hand zärtlich darüber.
Ich verstehe dich wirklich nicht, Kätzchen. An deiner Stelle würde ich die Organisation zum Teufel jagen und mit ihm nach Amerika gehen.
Du bist aber nicht an meiner Stelle.
Warum quälst du dich so, Shan? Ich sehe doch was in dir los ist. Wem versuchst du denn hier was vorzumachen? Hast du mit Gabriel darüber gesprochen?
Ja, er hat mich angerufen. Er fragte mich, was du dazu sagst. Und ihr seid mal wieder einer Meinung.
Wir wollen, dass du glücklich bist.
Das werde ich sein, sobald ich weit genug von Kevin weg bin.
Akela schwieg. Die einzige Möglichkeit seinen Schützling aufzuhalten, käme einem Verrat gleich.
Er tat es trotzdem.

Kevin saß entspannt im Sessel, die langen Beine ausgestreckt, als der Wolf hereinstürzte. Er war sofort alarmiert.
"Warum rennst du so? Ist was mit Shannon?"
Ich dachte, ich teile dir kurz mit dass sie packt. Der Fahrer holt uns Morgen früh um sechs ab.
"WAS?"
Ich nehme an, sie wollte es dir dann gegen fünf erzählen...
Kevin war bereits auf dem Weg nach draußen.
"Shannon! Shannon mach auf!" Er schlug mit der Faust gegen ihre Tür, bis sie öffnete.
"Es ist ein bisschen spät um einen solchen Radau zu machen!" zischte sie ihn an. Kevin drängte sich an ihr vorbei und sah den Koffer auf dem Bett.
"Es stimmt also!" stellte er fest.
Shannon warf dem Wolf einen giftigen Blick zu, aber der hielt ihr stand.
Wenn ich dich nicht zur Vernunft bringe, dann vielleicht er!
Er ließ die Beiden allein.
"Ich dachte, das zwischen uns bedeutet dir etwas! Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, du würdest uns eine Weile begleiten! Was soll das Ganze?" fragte Kevin aufgebracht.
"Es gibt hier Menschen die mich brauchen! Ich kann genauso wenig meinen Job aufgeben, wie du aufhören kannst mit singen!"
Kevin starrte sie fassungslos an. Das waren die selben Worte, die zwischen ihm und Kristin gefallen waren.
Shannon stiegen Tränen in die Augen, als sie seinen Gesichtsausdruck sah. Sie hatte ihn nicht verletzen wollen. Hätte es diese merkwürdige Verbindung zwischen ihnen nicht gegeben, wäre er nie an sie herangekommen. Ohne die hätte er sich nie in Shannon verliebt, das war ihr klar. Er hätte sie einfach übersehen, wie alle anderen auch.
"Vergiss mich einfach." flüsterte sie erstickt. Tränen liefen ihr über das Gesicht.
"Dich vergessen? Wie könnte ich das? Seit ich dir als Mensch in die Augen gesehen habe, denke ich an kaum etwas anderes als an dich."
"Ich muss Morgen früh aufstehen. Könntest du bitte gehen?"
Erschüttert schüttelte Kevin langsam den Kopf. Er ging zur Tür. Shannon folgte ihm, um sie hinter ihm zu schließen.
Im Türrahmen drehte Kevin sich plötzlich um, nahm Shannons Gesicht in beide Hände und küsste sie voller Verzweiflung. Sie konnte nicht anders und erwiderte den Kuss, dann stieß sie Kevin von sich und schloss die Tür. Wütend bekämpfte Kevin den Schmerz, der in ihm hochstieg. Am liebsten hätte er die Tür eingeschlagen. Dann hörte er Shannon schluchzen.
Es tut mir so leid. Ich hatte gehofft, dass du ihre Meinung änderst. Akela stand neben ihm.
"Mir tut es auch leid, Wolf. Pass gut auf sie auf."
Ich verspreche es.
Kevin ging in sein Zimmer und holte seine Jacke. Dann verließ er das Hotel.

Am nächsten Morgen stieg Shannon vor dem Hotel in die Limousine. Die Straßenbeleuchtung warf Lichtinseln in die Dunkelheit. Sie hatte sich nicht verabschiedet.
Akela schwieg beharrlich. Er hatte alles gesagt, was es zu sagen gab. Er warf einen letzten Blick auf die einsame Gestalt, die unbemerkt an einer dunklen Ecke stand.
Kevin sah ihn herüberschauen und nickte ihm langsam zu. Der Wolf sprang in den Wagen. Sie fuhren los.
Kevin sah ihnen nach, die Hände tief in den Jackentaschen vergraben.
"So einfach kommst du mir nicht davon, Shannon O'Neall. So leicht gebe ich nicht auf." schwor er in der Finsternis.
Die Rücklichter des Autos verschwanden.



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