Babysitting

Wir bogen in unsere Auffahrt ein, das Tor schloss sich fast lautlos hinter uns. Es war nicht so spät geworden wie erwartet, aber es war dunkel.
Kevin stellte den Motor ab und drehte sich zu mir um.
"Hat dir der Abend gefallen?" fragte er leise, schmeichelnd.
Ich lehnte mich entspannt zurück und lächelte ihn an.
"Das Essen war wundervoll. Und du bist es auch."
Er schüttelte leicht den Kopf.
"Nein, DU bist wundervoll." Er warf einen schnellen, prüfenden Blick aufs Haus. Das Wohnzimmer war erleuchtet, das konnte man am Lichtschein erkennen, der an der Seite in den Garten fiel, aber die Kinderzimmer waren dunkel. Er sah mich wieder an und sein Blick wurde weich und hungrig.
Ich konnte mir das Schmunzeln nicht verkneifen. "Willst du noch ein bisschen 'parken'?"
Er grinste. "Nein, ich bin ja nicht Marty McFly... Ich möchte gern ein bisschen - ganz altmodisch - mit dir im Auto rummachen."
Ich konnte das Lachen nicht unterdrücken, aber seine Lippen auf meinen ließen mich schnell verstummen, als er sich über mich neigte. Sein Zungenspiel erlaubte, wie immer, keine klaren Gedanken, und so trat alles in den Hintergrund, das nicht seinen Geschmack, seinen Duft, oder seine Berührung betraf. Seufzend schlang ich die Arme um ihn und zog ihn näher.
Seine Hand wühlte sich durch mein Haar und begann meinen Nacken zu kraulen. Er hob mich halb auf seinen Schoß, seine freie Hand fand den Weg unter meinen Rock und glitt streichelnd meinen Schenkel herauf.
Ich öffnete ein paar seiner Knöpfe, schob meine Finger unter den dünnen Stoff und verfluchte im Stillen das schlechte Wetter der letzten Tage, das ihn dazu gebracht hatte ein T-Shirt unter das Hemd zu ziehen. Gegen so was half nicht mal ein Lösungszauber. So konnte ich nicht arbeiten...
Er merkte, dass etwas los war, und löste seine Lippen von meinen.
"Baby?"
"Entweder ich muss dich jetzt und hier ausziehen - und du weißt wohin das führt... - oder wir gehen rein, verabschieden den Babysitter und verdrücken uns dann ins Schlafzimmer..." flüsterte ich atemlos.
Er stöhnte leise. "Und das wo ich dich grad hab, wo ich dich haben will. Wie unfair." Er drückte seinen Mund auf meinen Hals und rieb dann voller Absicht seinen rauen Bart über die empfindliche Oberfläche. Seine Finger glitten federleicht über die Gänsehaut, die sich augenblicklich auf meinen Armen bildete.
Ich stöhnte leise und überließ mich einen Moment dem Gefühl, doch als meine Hände nicht durch sein Shirt zu seiner warmen Haut drangen, hielt ich inne. Und er auch.
"Nachbarn was zum Gucken geben, oder den ganz kurzen, kleinen Weg rein ins warme, gemütliche Bett?" Ich klimperte mit den Wimpern.
Er verdrehte die Augen. "Ich wünschte, wir wären in Kentucky, da gibt's weit und breit keine Nachbarn..." Wiederwillig ließ er mich von seinem Schoß und stieg aus, um mir die Tür zu öffnen.
Das Haus lag still da, ruhig und friedlich. Die magischen Schutzkreise waren nicht berührt worden und Akela, der oben im Kinderzimmer neben Felans Bett lag, vermittelte mir das Gefühl, das es ein ruhiger Abend und alles in Ordnung war.
Wie geht es meiner kleinen Linny? wollte ich wissen, während ich im Flur meinen Rucksack abstellte. Sie war unruhig gewesen, als wir gingen, und wir vermuteten, dass sie noch einen weiteren Zahn bekam.
Gut, sie ist unten im Wohnzimmer bei Nick.
Ich lächelte. 'Onkel' Nick war wirklich lieb zu unseren beiden.
Kevin warf mir einen Blick zu und deutete mein Lächeln richtig.
"Hat er unseren kleinen Spatz hier unten?"
"Scheint so. Und Felan schläft ruhig und friedlich in seinem Bett."
Ich hakte mich bei Kevin ein und wir gingen Richtung Wohnzimmer. Der dicke, cremefarbene Teppich schluckte unsere Schritte, als wir durch den Türbogen traten. Und ein kleines Chaos vorfanden, wie nicht wirklich anders erwartet. Der Fernseher lief, war aber stumm geschaltet. Auf dem Sofa lagen die Decken und Kissen bis auf den Boden verstreut. Eine offene und halb ausgekippte Chipstüte lag auf dem Tisch, daneben mehrere Getränkedosen. Natürlich kein Alkohol, das hätte der Wolf nie zugelassen.
Mein Blick blieb an Nick hängen, der wie ein Häuflein Elend zusammengekauert in einem Sessel saß. Alarmiert sah ich in den Laufstall. Da lag Aislinn auf dem Rücken und knabberte begeistert an einem Gamepad von Nicks Nintendo, das mit dem Kabel am Laufstallgitter festgemacht war.
"Was zur..." Ich war mit zwei Schritten bei meiner Tochter und wollte ihr das Videospiel-Zubehör wegnehmen, doch sie beschwerte sich sofort, also ließ ich es ihr.
Ich tauschte mit Kevin einen Blick.
"Was ist hier los? Warum hat mein Kind einen elektronischen Beißring und warum sitzt du so da? Hat sie was kaputtgemacht?" wollte Kevin von Nick wissen.
"Nein... hat sie nicht..."
"Hast du Bauchweh von den Chips und der Limo?" hakte ich nach.
"Mhmh..." Nick schüttelte den Kopf.
"In aller Götter Namen, was ist dann los??"
Nick sah mit tieftraurigem Blick auf. "Ich hab absolut keine Ahnung, wie sie das gemacht hat. Ich dachte, ich vertreib uns ein bisschen die Zeit, weil sie partout weder liegen bleiben noch schlafen wollte. Mit dem Beißring hat sie nur rumgeworfen. Ich wollte sie ablenken... Da hab ich Tetris angemacht." Er deutete auf den Bildschirm.
Tatsache, der Bildschirm zeigte das zweidimensionale, bunte Puzzle im Zwei-Spieler-Modus. "Ja und?" Ich sah Nick ratlos an.
Dessen Augen wurden ein klein wenig feucht und er schob die Unterlippe vor. "Ich hab keine Ahnung wie sie's gemacht hat... Aber sie... sie hat gewonnen..."

 

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