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Der Liebes-Test

"Wollen wir das wirklich durchziehen?", fragte ich.
"Deine Mom meint ja, es würde dir helfen klarer zu sehen." Kevin schüttelte den Kopf. "Ich sag da jetzt mal nichts weiter dazu. Also, willst du da jetzt reingehen, oder nicht?"
Ich blickte unbehaglich die schmutzige, düstere Gasse hinauf und hinunter und sah dann zu dem Eingang vor uns. Tief seufzte ich auf.
"Dann lass es uns eben versuchen." Ich ging zu der schiefen Holztür und wollte klopfen. Aber als ich sie berührte, schwang sie nach innen auf. Muffige Luft schlug mir entgegen und ich fühlte, dass uns irgendetwas aus dem dunklen Flur heraus anstierte.
"Okay, Kev, lass uns wieder gehen... Es ist niemand zu Hause..." Ich wich vor den unsichtbaren Augen zurück und stieß unvermittelt mit Kevin zusammen, der hinter mir stand.
"Woher willst du das wissen? Du hast ja nicht mal angeklopft." Bevor ich ihn daran hindern konnte, drückte er die Tür weiter auf und schob mich hinein. Ich war sofort wie blind. Dann flutete plötzlich helles Licht auf und blendete mich. Scheinbar hatte Kev den Lichtschalter gefunden. Alles was uns vorher beobachtet hatte, hatte jetzt die großartige Gelegenheit uns gut sichtbare Opfer anzuspringen...
Schon packte mich etwas an der Schulter und ich sprang schreiend zurück.
"Kevin! Verdammt, lass diesen Scheiß! Gott! Jetzt weiß ich endlich warum Nick dich Boo nennt!"
Er grinste breit.
"Wenn du aber auch so schreckhaft bist? Ich wollte dir eigentlich nur mitteilen, dass da hinten Licht unter der Tür durchgefallen ist." Er wies den Flur hinunter. Ich schluckte. Da hing ein menschlicher Totenschädel über der Tür... An ihm hing ein Seilzug, der am Rahmen herabbaumelte. Kevin ging hin und besah sich das Ding neugierig.
"Nicht gerade aus 'schöner Wohnen', aber sehr interessant."
"Und aus uns wird sie Schrumpfköpfe machen! Komm schon, Kev, lass uns hier verschwinden!" Ich sah entsetzt, wie er zu diesem Seilzug griff. Der Mann war neugieriger als eine Katze! Eine Glocke erklang blechern aus dem Schädel. Und da öffnete sich auch schon die Tür...
"Guten Abend, meine Herren. Sie wollen zu mir?" Eine Frau um die dreißig stand vor uns. Ihr Rock war aus verschiedenfarbigen Stoffquadraten zusammengesetzt und fiel ihr bis zu den Knöcheln. Ihre weiße Bluse hatte sie vorn verknotet, so dass ihr Bauch frei war. Und ihr Haar bändigte ein Kopftuch, das die Farbe von Herbstlaub hatte. Dazu trug sie Ohrringe mit vielen kleinen Goldmünzen daran. Dem Aussehen nach war sie eine echte Zigeunerin.
"Ja, Madame Kassandra. Mein Freund hier möchte wissen, ob seine Verlobte ihn wirklich liebt", erklärte Kevin ihr. Sie lächelte mich strahlend an.
"Das ist mein Fachgebiet, müssen Sie wissen. Dann treten Sie doch bitte ein. Wir fangen sofort an."

Später am selben Abend:
"Es tut mir leid, Bone. Wirklich. Das muss ein verdammt schwerer Schlag für dich sein."
Ja, das war es auch. Sie liebte mich also nicht wirklich. Ob sie hinter meinem Geld her war? Oder sich in meinem Ruhm sonnte? Ich dachte eigentlich, endlich die Frau meiner Träume gefunden zu haben. Und als sie mich vorhin küsste, dachte ich zuerst es wäre der Beweis. Aber dann stellte sich heraus...
"Und ich Dummkopf habe dir zugeredet da hinzugehen. Mann, was bin ich für ein Trottel."
Naja... Eigentlich war es meine eigene Schuld. ICH hatte es ja unbedingt wissen wollen. Er konnte ja nichts dafür. Aber so war er eben... Er sorgte sich um mich, darum was aus mir wurde, um mein gebrochenes Herz.
"Es tut mir so unendlich leid, Bone. Das musst du mir glauben." Er sah besorgt auf mich hinunter und ich starrte zu ihm hinauf. Ich schluckte und schloss dabei die Augen. Wenn mir meine Stimme gehorcht hätte, würde ich ihm geantwortet haben. Aber im Moment konnte ich nur vor mich hinstarren.
"Brauchst du irgendwas? Wasser vielleicht?"
Ich starrte weiter. Eigentlich fühlte ich mich ganz wohl in meiner Haut.
"Wir werden jemanden suchen, der dir helfen kann", versprach Kevin.
Das hier war wirklich mal was anderes... Da erübrigte sich sogar das Haarfärben. Ob mir diese Farbe stand?
"Wir werden deine Mom Denise bitten, es zu probieren. Sie liebt dich auf jeden Fall. Da müsste das ja eigentlich klappen."
Ja. Und wenn es das nicht tat, dann würden wir entweder einen Fan auftreiben, der mich liebte, oder ich brauchte dringend... Was war denn das? Eine dicke Fliege summte um Kevins Hand. Die war genau in... Schnapp! ...Reichweite.
Ich bemerkte, dass Kevin angewidert auf seine Hand und mich hinuntersah. Fliege schmeckte mir auch nicht, wie ich feststellte... Also kein Terrarium, sondern dringend einen Kuss.
Für AJ den Froschkönig...



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