Shans Mother's Day

Hmmm...
Sie drehte sich herum, vom Rücken auf die Seite, und reichte im Halbschlaf nach ihrem Mann.
Um festzustellen, dass der nicht da war... Die Baumwolle war kühl unter ihrer Hand, also musste Kevin schon vor längerer Zeit aufgestanden sein.
Shan seufzte. Seine Wärme und Nähe fehlten ihr bereits, dabei hatten sie die halbe Nacht gekuschelt und miteinander geflüstert. Tja, er war ihre Droge, ihr Mittel zur Glückseligkeit...
Bevor sie das Philosophieren ernsthaft anfing, angelte Shan, mit noch immer geschlossenen Augen, nach Kevins Kissen und kuschelte sich tief hinein, sog seinen Duft in ihre Lungen und versuchte einzuschätzen was schwerer wog, seine Abwesenheit oder das gemütliche Bett. Wenn er nur zufällig vorbeikäme, könnte sie ihn vielleicht im Nullkommanichts dazu überreden, wieder zu ihr unter die Decke zu kommen...
Der Gedanke war verlockend, und während Shannon sich ausmalte, auf welche Art sie ihn überreden würde, döste sie erneut ein.
Ein heller Lichtschein weckte sie. Er fiel durch die Balkontür direkt in ihr Auge. Ihr offenes Auge...
Shannon runzelte die Stirn. Sie erinnerte sich ganz genau, dass sie es nicht geöffnet hatte. Vor allem nicht nur eins...
Leises Kichern erklang und Shans Blick schärfte sich. Da war ein Schatten, mitten in dem hellen Fleck, der sich vor ihrem Auge befand. Schatten kicherten normalerweise nicht, oder?
Sie sah den Schatten an, und der brach erneut in Kichern aus. Dabei bewegte er sich hüpfend auf und ab.
"Aislinn, ich hab doch gesagt, ihr sollt Mommy ganz liebevoll wecken." erklang von der Tür eine samtig-dunkle Stimme. Sie klang leicht strafend, aber zugleich amüsiert, und brachte den hüpfenden Schatten noch mehr zum Hüpfen. Die kleinen, klebrigen Finger, die Shannons Augenlid offen hielten, rutschten leicht hin und her.
Vom Bettende erklang ebenfalls Gekicher, wo Felan es sehr lustig fand, was hier passierte.
Okay, das war es sowieso mit schlafen, von mit-Kevin-kuscheln ganz zu schweigen, also konnte sie ebenso gut...
"Rrrrrraw! Ich hab ein neues Kissen!" Shannon schnappte sich Aislinn und wirbelte sie herum, warf sie auf die Matratze und begann Kissen auf sie zu stapeln und sie zu kitzeln, bis Linn keuchte und quiekte. Und dann, weil sie so schön keuchte und quiekte.
Grade wollte Shannon sich auf den Berg Kissen legen, als etwas sie wie eine Kanonenkugel traf. Einem Äffchen gleich, krabbelte Felan an ihr hoch und klammerte sich an ihren Rücken, um Aislinn zu verteidigen.
Gleich darauf war eine wilde Rauferei im Gange, bei der mal dieser, mal jener, oben lag.
Schließlich schafften die Kinder es, ihre spielerisch fauchende und knurrende Mutter unter sich festzunageln, um sie zu kitzeln, da pflückte Kevin zuerst Fel und dann Linn vom Ehebett, um sie sich, Kopf nach unten, unter den Arm zu klemmen und hinaus zu bringen.
Außer Atem streckte Shannon sich noch mal auf dem Bett aus.
Eine Weile erklang noch Stimmengemurmel, das aus der Küche zu kommen schien, dann ertönten tapsige Schritte und Aislinn kam wieder herein.
Zu Shannons Erstaunen trug sie jetzt ihr schönes, weißes Sommerkleidchen. Sie stellte sich vor dem Bett auf, versteckte, sehr offensichtlich, einen winzigen Blumentopf mit einer Efeuranke, die sie selber vor ein paar Wochen eingepflanzte hatte, und schaute fragend zur Tür zurück.
Schließlich erschien auch Felan, in einen dunkelgrauen Anzug gekleidet, gewaschen und gekämmt. Felan versteckte hinter seinem Rücken eine Zeichnung von Akela, die so groß war, dass sie über seine Schultern herausragte wie die Flügel eines Engels.
Endlich erschienen auch Kevin, frisch rasiert und mit noch feuchten Haaren, in seinem beigefarbenen Sommeranzug mit der lindgrünen Krawatte eine atemberaubende Erscheinung, und der Wolf, dessen weißes Fell wie frisch gefallener Schnee in der Sonne leuchtete.
Kevin gab das Zeichen zum Einsatz und vierstimmig erklang: "Alles Liebe zum Muttertag!"
Sofort stürmten die Kinder wieder das Bett, damit ihre Mutter die Geschenke gebührend bewundern konnte.
Kaum hatte ihr Ansturm nachgelassen, als Kevin diese kleine, elegante Verbeugung machte, die er so gut beherrschte, und Shannon ein schwarzes Samtkästchen überreichte. "Alles Liebe zum Muttertag, Kleines." flüsterte er zärtlich.

Ja, das war ihre Droge, ihre Glückseligkeit...

 

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