Ich klappte den Laptop zu und wischte mir ein Klümpchen Rätseldämon von der Stirn. Grade kam Gabriel mit dem Säuberungsteam in die alte Lagerhalle. Er warf einen Blick in die Runde und kam dann zu mir.
"Bist du okay?"
"Sicher, ich will nur ganz dringend duschen."
"Das lässt sich arrangieren. Ich bring dich nach Hause, John kann dir später dein Motorrad bringen."
Ich seufzte. "Danke, du bist ein Engel."
"Yep, daher auch mein Name." Er zwinkerte mir zu und gab dem Team Anweisungen, dann wickelten wir mich in eine alte Decke und waren wenig später auf dem Weg nach West-Los Angeles.
"Darf ich dich was fragen?" erkundigte sich Gabe während der Fahrt.
"Sicher." Ich sah zu, wie draußen die nachterleuchteten Straßen von L.A. vorbeizogen.
"Ich hab ja schon viel erlebt mit dir... Aber dass du ein Säuberungsteam rufst? Normalerweise wirfst du ein paar Energiekugeln, und die Dämonen werden zu Asche. Wie kommt es, dass sich dieser über alle Wände und dich verteilte?" Gabe warf einen bedeutungsvollen Blick auf meine violett gesprenkelten Hosenbeine. Gegenüber meinem Top sahen die ja noch richtig sauber aus...
"Du würdest es nicht glauben. Ich glaube es ja selbst kaum..." Ich rieb mir einen Fleck vom Handrücken. Wenn der violette Glibber trocknete, spannte er unangenehm.
"Erzähl's mir einfach und dann sehen wir, ob ich es glaube." Gabe sah mich von der Seite an, in den hellbraunen Augen ein Lächeln.
Ich kaute auf meiner Lippe herum. "Du weißt ja, dass Rätseldämonen diese Schwachstelle haben, man ruft ihnen ein Rätsel zu und bremst sie so aus. Sie sind ja richtig gut darin, die zu lösen. Aber es gibt Rätsel, bei denen ihnen das nicht gelingt... Naja... Dieses Exemplar heute Abend stand da und grübelte. Dass er so lange brauchte, wunderte mich, ich hatte das Katana gezückt, aber er kam nicht näher. Schließlich fluchte er und wurde richtig sauer, dass er nicht auf die Lösung kam. Und ich hatte keine Lust mehr zu warten, also fragte ich, ob ich es ihm sagen solle."
"Und er sagte ja?" verwundert zog Gabe die Brauen hoch.
"Yep... Ich rief ihm die Antwort zu und... er fing an auf und ab zu hüpfen und wütend mit den Füßen zu stampfen, wie Kinder das manchmal tun. Er rastete wirklich aus, mich schien er total vergessen zu haben. Er schüttelte sich und begann sich im Kreis zu drehen, schrie rum und wurde schneller und schneller... es sah aus wie ein violetter Kreisel... Naja, und dann... platzte er..."
Gabe sah mich verblüfft an, doch ich konnte nur mit den Schultern zucken.
"Oh Mann, das hab ich echt noch nie gehört... Das sollten wir dokumentieren."
"Ich hab's schon ins Dämonenhandbuch aufgenommen, während ich auf euch gewartet hab." Ich kuschelte mich tiefer in die Decke. Mir war in den feuchten Sachen echt kalt.
Eine Weile fuhren wir schweigend weiter. Doch dann überkam Gabriel wieder die Neugierde.
"Du, sag mal?"
"Hm?"
"Welches Rätsel hast du ihm denn aufgegeben?"
"Eigentlich ein ganz einfaches.
'Du kannst es nicht kaufen oder verkaufen, doch jeder Mensch kann es dir schenken.
Hast du es, sind die Farben bunter und die Luft hängt voller Duft.
Hast du es nicht, ist die Welt arm und voller Einsamkeit.
Man wird dadurch erst lebendig, doch endet es nicht im Tod.'
Was ist das? Aber platz mir nicht, wenn du es nicht rauskriegst." Ich grinste.
"Davor musst du, glaub ich, keine Angst haben..." lachte Gabe. Dann wurde er still und überlegte eine Weile.
Ich holte in der Zwischenzeit mein Handy, mit spitzen Fingern, aus dem Rucksack und rief Kevin an, um bescheid zu geben, dass alles in Ordnung und ich auf dem Heimweg war. Ich konnte den Wolf durch das Telefon deutlich erleichtert seufzen hören. Er nahm es noch immer ziemlich schwer, wenn ich ihn zu Hause ließ, selbst wenn es sich in den Fällen wirklich um die am leichtesten zu tötenden Dämonen handelte...
"Also, ich glaaaaube, dass die Antwort 'Die Liebe' ist." meinte Gabe schließlich.
"Stimmt genau. Aber manche Dämonen haben keine Ahnung was das ist, also ist es nicht überraschend, dass er es nicht lösen konnte. Aber dass er deswegen gleich vor Ärger platzt..." Ich schüttelte missbilligend den Kopf.
Kevin erwartete uns bereits und begrüßte mich, trotz der violetten Sprenkel, mit einem zärtlichen Kuss.
Gabe musste leider weiter, doch zum Abschied flüsterte er mir ins Ohr: "Vielleicht ist er gar nicht vor Wut geplatzt, sondern vor Neid..."

 

back



Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!