unnamed scene

Ich stellte das Motorrad in der Garage ab und betrat das Haus durch die Küche.
Na warte, ich krieg dich! hallte es lautstark durchs Haus. Helles Kinderlachen ertönte, gefolgt vom Geräusch schnell laufender, nackter Füße auf Parkett. Dicht dahinter das Klicken von Krallen. Dann schlug eine Tür zu und es folgte ein lautes Rumms.
Heiße Angst durchzuckte mich. Im Geiste sah ich meine Tochter, mit blutverklebten dunklen Locken, am Boden liegen... Doch weder ihre Stimme erhob sich zu einem Schrei, noch riefen Akela oder Kevin um Hilfe...
Langsam entspannte ich mich wieder und linste um die Ecke ins Wohnzimmer.
Akela lag direkt vor der Tür zum Flur, die ein Stückchen offen stand. Mit großen Augen sah er erst auf die Tür, dann zu mir. Sein Blick wirkte leicht glasig... War er etwa...?
Er schüttelte sich, dann klärte sich sein Blick. Durch den Türspalt spähte nun meine Tochter, mit einem entzückten Gesichtsausdruck und angehaltenem Atem, die von mir zum Wolf und zurück sah.
Ich guckte meinerseits jetzt zu Kevin, der, interessanterweise mit demselben Gesichtsausdruck wie Linny, bäuchlings ausgestreckt auf der Couch lag und etwas außer Atem schien, als hätte er sich eben noch an der wilden Jagd beteiligt. Jetzt tat er wie die Unschuld in Person, doch der Lausebengel seiner Kindertage schaute mich aus seinen Augen an.
"Was... ist hier los?" fragte ich die versammelte Mannschaft, obwohl mir das eigentlich völlig klar war.
Sie hat mir die Tür vor den Kopf gehauen... stellte Akela verblüfft fest. Dein Welpe hat mir einfach die Tür vor der Nase zugeschlagen und sie mir vor den Schädel geknallt... Ich kann's immer noch nicht fassen...
Linny kicherte und zupfte an der Windel, ihrem einzigen Kleidungsstück.
Und jetzt lacht sie mich auch noch aus! stellte der Wolf entgeistert fest.
Von der Couch her klang ein verdächtiges Geräusch, das Akela mit einem warnenden Blick quittierte.
Wehe du lachst jetzt auch, Mensch.
Das hätte er nicht sagen sollen, denn jetzt konnte Kevin seinen Heiterkeitsausbruch nicht mehr zurückhalten...
Mit einem finsteren Blick in Kevins Richtung, und einem verletzten in Richtung meiner Tochter, schritt Akela wie eine beleidigte Diva zur Terrassentür, vor die er sich, wenig würdevoll, plumpsen ließ.
Linny stieß die Wohnzimmertür weit auf und kam lachend zu mir gerannt, um mit ihren Ärmchen mein Bein zu umklammern. Ein tieftrauriger Seufzer, der von der Terrassentür herüberdrang, ließ sie kurz innehalten.
"Da?" fragte sie mich, auf den Wolf zeigend. "Nkela da?"
"Nein, Akela dürfen wir jetzt nicht stören, Linny. Er hat vergessen, dass er sichtbar war und hat sich jetzt den Kopf gestoßen." Ich strich ihr durch die seidigen Locken.
"Aua?" wollte Linny wissen.
"Ja, mein Schatz, Akela hat Aua."
Wieder erklang dieses abgrundtiefe Seufzen vom Wolf.
"Nkela puste." verkündete Linny entschlossen und rannte auf ihren kleinen, nackten Füßen zu ihm hinüber, um ihn, natürlich gegen den Strich, zu streicheln und auf sein Hinterteil zu pusten.
"Spätzchen, das ist das falsche Ende..." rief Kevin lachend, doch Linny machte unbeirrt weiter.
Womit hab ich das nur verdient... jammerte der Wolf und brachte Aislinn damit wieder zum Kichern.
Ich setzte mich zu Kevin, der seine Bauchlage inzwischen aufgegeben hatte, und kuschelte mich eng an ihn. Er schlang seine langen Arme um mich und lehnte seine Wange an meine Schläfe. Mit einem Gefühl vollkommender Zufriedenheit sahen wir beide Aislinn zu, die den Wolf malträtierte.
"Hab ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe?" flüsterte mir Kevin ins Ohr.
"Hmmmm..." schnurrte ich. "Nicht seit heute morgen, als du..." Ich kicherte.
Sein Griff um mich wurde fester und er presste seine Lippen kurz auf meinen Hals. "Ich würde das jederzeit wieder tun, Kleines... Ich liebe dich..."
"Ich liebe dich auch..." wisperte ich zurück.
"Mama da!" krähte Linny dazwischen. "Schmuse?" Fragend legte sie den Kopf schief.
"Ja, Spätzchen, Mama und Daddy schmusen. Magst du herkommen und uns drücken?"
Linny ließ sich nicht lange bitten. Sie kletterte von Akelas Rücken, nicht ohne ihn noch versehentlich zu treten. Der Wolf stöhnte gequält. Dann schoss unsere Tochter wie eine Kanonenkugel auf uns zu, warf sich auf mich und drückte mir die Luft ab. Ich kitzelte sie und sie lachte.
Akela hob den Kopf. Jemand an der Tür.
Im nächsten Moment klingelte es.
Ächzend wälzte ich mein Kind von mir, direkt in Kevins wartende Arme, und stand auf, um zur Tür zu gehen. Ein kurzer Blick durch den Spion und ich riss die Tür auf.
"Hey, Shanny!"
"Chris!" Dazu, mehr zu sagen, kam ich nicht, weil mir seine Umarmung die Luft zum Atmen raubte.

 

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